Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 6)
- Language
- German
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220 I’)1\ Gabriel Riesser. Leidenden, dem Rechte der Unterdrückten, nicht der übermüthigen Willkür eines anderen Aberglaubens dargebracht werden. AU* unser Wille, alle unsere Kräfte sollen auf das eine Ziel, die Erringung der uns schmählich vorenthaltenen Menschen- und BürgeiTeehte, gerichtet sein, ohne sie durch eine Lüge zu erkaufen. War je eine Sache rein und gut, der Opfer werth und eines endlichen Sieges gewiss, so ist es diese; denn, wenn sonst der Kampf um das liecht fast immer zugleich ein Kampf um Interessen ist, so gilt es hier ja nur das reine, gute Recht: die Interessen könnten wir wohlfeiler erkaufen. Darum lasst uns siegend oder für den Augenblick unterliegend stolz sein auf die Sache, für die wir streiten! Lasst uns denen, die sich erfrechen, eine Ausschlicssuug, die nur Treue und Gewissenhaftigkeit zuziehen, mit ׳moralischen Gründen beschönigen •zu wollen, die wohlverdienteste Verachtung entgegensetzen!“ ,,Lassen wir, fährt er an einer anderen Stelle fort, die Frage der Religion ganz bei Seite, und fragen wir die Grundsätze der Ehre und unseres Gewissens, ob es uns erlaubt ist, die Sache einer unterdrückten, schwachen Minderzahl, zu der uns die Natur gesellt hat, zu verlassen? Sind jene grossen Glaubenslehren unseres Jahrhunderts, die Lehren von der Gleichheit der Menschen vor dein Gesetz, von dein angeborenen liechte aller Menschen auf menschliche Behandlung und auf Freiheit, auf unbeschränkten Gebrauch und ungehemmte Entwickelung aller sittlichen und geistigen Kräfte, sind sie etwa erfunden, um uns der Pflichten gegen die, die uns am nächsten stehen, zu entbinden? Ist, wenn jedes Zeitalter seinen Charakter hat und seinen Inhalt, der des unseren die Selbstsucht? Ist es diese und nichts als diese, die sich hinter den hochtönenden Namen von Aufklärung und Geistesfreiheit verbirgt?“ ״Welcher fühlende Mensch, der im Schoosse des mosaischen Glaubens geboren ist, kann sich ohne den tiefsten Schmerz den Zustand vergegenwärtigen, der die Folge davon sein würde, wenn — wohin die Tendenz einiger Indifferenten gehet — die Gebildeteren, die Talentvolleren, die Einflussreicheren sich losrissen, und die armselige, gedrückte, hiilflose Masse sich selbst und dem Staate zur Last zurückliessein. Dass aber, wiesich einige Unkundige träumen lassen, die die heiligsten menschl. Interessen aus der beschränkten Perspective ihres Eigennutzes betrachten, dieMasse selbst allmälig, des Druckes