Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
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Samson Wulf Kose 11 fehl. 20r> satz basirte, ״man solle und müsse die Anzahl der Juden eher zu vermindern, als zu vermehren suchen;“ — einem wahrhaft pharaonisehcn Gesetz, das mit eisernem Ann bis in die ersten Jahre des begonnenen"Jahrzelients hereinragte, und man darf sagen, fast die Hälfte der jüdisehen Einwohner Baierns, und zwar die kräftigsten Jünglingc und Männer, mit unberechenbaren Summen Geldes nach Amerika auszuwandern zwang. Es dürfte zu weit führen, hier auf all’ die Consequenzcn dieser mit eiserner Strenge gehandhabten Massregel näher einzugehen, die sich in dem traurigen Worte concentrirte: ,,Erst hinter dem Leichenwagen eines Matrikelinhabcrs wird es rnöglieh, das Hochzeitsbett eines Matrikelbewerbers auf zurichten“ Denn nur so viele Matrikel, als nach Pronmlgirung des berührten Gesetzes amtlich aufgezeichnet wurden, durften auch fortan nur bestehen; und dieser furchtbare Druck wurde noch erhöhet durch die Beschränkung der Freizügigkeit. Ausserdem war den Juden der Betrieb der Geschäfte möglichst beengt, und man glaubte plötzlich alle Juden Baicrns in Ackerbauer oder Handwerker umschaffen zu müssen. — Und selbst bei Erledigung eines oder des andern Mutrikels, auf welchen schon Jahre lang mehrere Bewerber zugleich warteten, wie war mau da vielfach der Willkür oder noch niedrigeren Motiven der darüber disponirenden Beamten ausgesetzt! Rosenfeld sah schon frühe ein, dass, sollen die Juden in Baieru nicht gänzlich verkümmern, aus ihrer Mitte selbst mit allen •moralischen Waffen, und zumeist durch die Macht des Wortes, gegen dieses Gesetz angekämpft werden müsse. Er ergriff die erste sich darbietende Gelegenheit, als der erste Landtag in Baicrn im Jahre 1819 zusammentrat. — Schon früher hatte die Gemeinde Uelilseid — eine damals durch Wohlhabenheit blühende und in Zeitbildung ziemlich fortgeschrittene Gemeinde (sie besass schon eine wohlorganisirte jüdische Gemeindeschulc, damals noch selten) Rosenfeld zu ihrem Rabbiner ernannt, welcher aber dieses Amt unentgeldlich verwaltete. — Als nun die Abgeordneten beider Kammern in München versammelt waren, fanden es, besonders auf Antrieb Rosen-