Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
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202 Samson Wolf Rosenfeld. gend aus allen Ständen und Glaubensrichtungen aufnelimen. Damals stand überdies noch ein anderes!linderniss im Wege; nicht nur, dass die öffentlichen Schulen den jüdischen Kindern fast überall verschlossen waren, lag auch in der Befangenheit und einseitigen Ansicht vieler Eltern selbst eine Schranke,, (la der Besuch deutscher Schulen last wie der erste Schritt zum Abfall vom Judenthum angesehen wurde. Wer also in sich den Trieb nach zeUgenuisser Bildung fühlte, musste ihn entweder durch eigene Anleitung oder durch Privatlehrer zu befriedigen suchen. Daher gab es noch am Anfänge unseres Jahrhunderts unter den Juden so viele Autodidakten, die häufig, wie die Bienen, von Wissenschaft zu Wissenschuft schwärmten, mul bald da bald dort den Saft derselben zu saugen suchten, aber auch gar oft nur oberlläehlich Allgemeines und Einseitiges, statt gründliche Wissenschaft sich aneignetem Nur Wenigen gelang es, den tiefen Geist des Wissens, überhaupt des Studiums, zu erfassen, und es musste hervorragende Begabung sein, wenn ein solcher Autodidakt nicht im grossen Strome mit wegschwamm oder gar unterging.■ Za solchen hervorragend begabten Geistern zählen wir den frühzeitig verstorbenen Nachm an Kroclimal, und den Schöpfer der jüdischen Literaturgeschichte, Salemon Juda Löb Rapoport (Oberrabbiner in Prag). — Und zu solch glücklich begabten, wenn auch weniger in die 0dientlichkcit getretenen Autodidakten gehörte Samson Wolf Rosenfeld, geboren in Markt Uehlfeld in Baien! (nahe bei Neustadt an der Aiscli, dem Geburtsorte Elia Levita’s), am 26. Tebeth 0540 (Januar 1780). Der Vater, Geschäftsmann, wie damals alle Juden in Baiern, war selbst ein sehr gelehrter Talmudist, und stand auch durch Einsicht, Biedersinn urul Frömmigkeit., Eigenschaften, mit denen sich auch irdischer Segen verband, in der ganzen Gegend in hohem Ansehen. Er hatte schon eine bessere Anschauung vom Leben und war frei von jenem dumpfen, finsteren Geist des religiösen Rigorismus, der das ganze Leben in seinen Kreis bannen möchte und Alles verbannt, was eine freiere Ansicht und einen unbefan-