Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Was hat den Aristotelismus in der jüd. Religionsphilosophie des Mittelalters so populär gemacht?
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829295-2859518--07624-2859576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
142 Der Aristotelism. in der jüd, Reiigionsphilos. welches im Erfassen der letzten und allgemeinsten Prineipien sich bethätigt. Unabhängig vom leiblichen Organismus, ist er unendlicher Entwickelung fähig und unsterblich. Hirn gegenüber steht der leidende Verstand (r-vr§ Ttcc&riTiHog), in dessen Gebi et die Wahrnehmung, Vorstellung, das Begehren, das Gedächtniss und die Phantasie gehören. Als materielle Kraft ist er vergänglich und wird mitsammt dem Körper eine Beute des Todes. — Alle geistigen Errungenschaften, die der t!tätige Verstand während der irdischen Entwickelung in sieh aufgenominen, die bleiben dessen Eigcntlnun auch nach dem Tode des Leibes, doch das Gedächtniss, als Eigenthum des leidenden Verstandes, stösst der Geist nach seinem Scheiden aus dem irdischen Leben von sich. — So heisst es ausdrücklich (de Anima I, 4): ״Wenn einmal der Körper zerstört ist, erinnert sie sic 11 nicht mehr an Etwas, noch liebt sie Etwas. Denn dies war nicht Eigcnthuui der Seele, sondern dessen, welches starb,“4 (Aib xcd rovtov (pfteigoutvov, oute {ivrjuovtvei, ovre qnfei׳ ov yctQ ixiivov calci tov y.qivov6 ר dnoloüw־) Was ist jedoch ein Fortleben der Seele ohne Rüekerinnerung, ohne Gedächtniss und Bewusstsein dessen, was wältrend des irdischen Daseins mit ihr vorgegangen? Und wie verhält sieh der bedeutendste Repräsentant der jüdischen Religionsphilosophie, Maimonides, zu dieser aristotelisehen Seclcntlieorie? — Dieselbe hatte von den Commcntatoren die verschiedenartigsten Auslegungen erfahren. Einer dieser Auslegungen folgt Maimuui — es ist die des Alexander aus Aphrodisias, — indem er die Seele keineswegs als eine Substanz, sondern blos als eine körperliche Kraft oder Anläge erklärt (More I, :42, 08, 7b, 72; II. Prämisse 10 u. II; III, 12). — Doch wie ist nach dieser Theorie eine Unsterblichkeit der Seele denkbar, da die Seele, als eine körperliche Kraft, mit ihrem Träger, dem Körper, zugleich dem Tode erliegen müsste? Darauf antwortet Maimonides: Die Seele, die ursprünglich nur eine ״hylische Vernunft44 ist, verwandelt sich durch Aneignung von Kenntnissen der liellexion und durch intelicctuelle Anschauuugcn in eine substantiell gewordene Vernunft — ,שכל נקנד, inteLlectus accjuisitus genannt, die nicht mehr vom Körper abhängig, der Unsterblichkeit theilhaft wird. Doch wie entspricht diese gekünstelte Seelentheorie der