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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1863-01-01 · Heft 4 · p. Seite 129

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
12 (1863)
Issue
Heft 4
Article
Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
Date
1863-01-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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der Gegen wart. 129 heit, und Lebendigkeit zurücksteht. Der Dichter hat seinen Helden offenbar zu buch über den Dunstkreis des gewöhnliehen Lebens Idnausheben wollen; denn je höher er ihn zu stellen meinte, desto mehr hat er ihn unserem Herzen, unserer Theilnahme entrückt. Er hat ihn uns in seinen! Stolze, in seinem trotzigen Uebermutlie ' zeigen wollen, damit wir sehen, wie er durch Schuld gefallen ist. Aber dieser Messias, der jeden Hrusttuu gewaltsam unterdrückt und selten wie ein Mensch zu Menschen redet, stösst uns mit kalter Hand zurück, anstatt uns anzuziehen und mit sich lbrlzureissen, wie er in Wahrheit sein Volk begeistert und an sich gebannt hat, Es ist aber hier dem Dichter so gegangen, wie es öfters dem Maler geht. Gerade die Figur, auf die er seine schönsten Farben, .seinen feinsten Pinsel, seinen grössten Fleiss verwandt hat, kommt steif und gezwungen heraus, weil sie durch die Last seitwärts angebrachter Ehizelzüge und Aussclumikkungen erdrückt wird, während die mehr stiefmütterlich behandelten, leicht hiiigeworfeneii Nebenfiguren viel mehr Lehen, Frische und Naturwüchsigkeit atluucn. Wir müssen noch an der Dichtung eben so sehr die .sorgfältige Ausarbeitung der einzelnen Thcile, als ihre gegenseitige Durcharbeitung und Durchdringung loben. Das Geschick, das der Dichter in der bühnlichcn Technik besitzt, tritt ganz besonders in der prächtigen Krönung«- ■scenc zu Tage, die reich an dramatischen Effecten ist. Die Sprache ist durchweg edel gehalten und hat Fluss, Schliff und Glätte; und wenn sie auch stellenweise an Frische verliert und matt wird, so muss man bedenken, dass diese Dichtung eine Erstlings gäbe ist, mul dass jeder Dichlergeist, sei er auch noch so gewaltig, auf seinem ersten Gange zuweilen erlahmt und die Schwingen sinken lässt, um dann einen um 80 höheren Flug zu nehmen. Von besonderem Reize sind die biblischen und agadischen Stellen, die Möbius sinnig in unsere Sprache umgeprägt und in die Dichtung verwoben hat. Diese Formschönheit, diese Verschmelzung des liibHschen mit dem Classisehen ist aber überhaupt noch von grösserer Tragweite. In einem solchen jüdischen Drama reichen sich, gleich-

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