Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
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128 Jüdische Dramen muss uns einen Einblick in die innersten Ilerzc nsregungen, in das geheimste Geäder seiner Menschen eröffnen. Die vorliegende Dichtung stellt nur selten hinter diesen Forderungen zurück. Nicht allein, dass die drei Hauptlngcr, in die sichdie Charaktere naturgemäss zerspalten, Jude, Christ und Römer, mit sicherer und verständiger Hand abgeumrkt sind, — auch die besonderen Parteiunterschiede, die sich hei der traurigen Zerrissenheit und IJaululIigkeifc der jüdischen Zustände herausgebildet haben, sind, so gut es anging, in ihren Licht- und ScliaUeiizügen durch geführt. Dem bis zur Schwärmerei begeisterten Gotteskämpfer Rar Kuchha ist sein uachterner, alles Schwunges baarer Todfeind Tryphon gegenübergeslellt, der zugleich ein Feind der milionalen Erhcbung ist. An der Seite des grossen, edlen und frommen Juden Akiba steht der kleinliche, selbstische und frivole GrieeldLng Jonathan. Wenn aber der Dichter liier ollen- Lar einen'Schrollen Gegensatz beabsichtigte, so hat dadurch allerdings der Charakter des Akiba gewonnen, Jomithan aber sinkt ihm gegenüber nur um so tiefer und wird zur Carrieatur. In einer solchen Zeit der Bedrängniss macht schwerlich sich die epikuräische Genusssucht nach schäumendem Chierwein u. s. w. geltend, wie sie in einem Kotzebue'schen Lustspiele zum Besten gegeben werden kann; auch glauben wir behaupten zu dürfen, dass eine solche frivole Falstair-Persönlichkeit wie dieser Jonathan nie im Synhedrin (so ist zu schreibennicht Sanhedrin) gesessen hat. Der Verfasser hatte hier wohl Elischu Leu Abu ja, den bekannten Acher, im Sinne, dieser war aber anders zu zeichnen. Judith, die Gattin des Helden, ist eine jüdische Frau und wie vom Handle der zartesten Weiblichkeit übergossen, — während Babel, ihre Schwester, die aus Liebe Christin wird, eine leidenschaftliche und stürmische, mehr männliche als weibliche Natur ist, die fast amazoueuliuft auf uns wirkt. Es will uns aber bedanken, .dass gerade Bar Kochba, trotz oder eben wegen der angestrengten Emsigkeit und Genauigkeit, mit der ihn der Dichter hat zeichnen wollen, hinter den anderen Charakteren an Wahr-