Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
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127 der Gegenwart. hätte, so er nicht von einer, die natürliche Entwicheiung des ])raimi’s störenden Nebenabsicht geleilet worden wäre, mit jener ergrei!'enden »Scene scbliessen miissen, in der die Frommen unter Akiba’s Führung die Trümmer der heiligen Stadt verlassen, aus denen sie nichts, was dem!Menschen auf Erden theuer ist, gerettet haben, nichts als das Leben־ mul — ihre Thora; aber damit haben sie eben genug, um getrost ihre Wanderschaft über den Erdball m!treten zu dürfen, und sie können freudig und zufrieden mit jenem alten Weisen ausrufeii: Onmia men mocum porto! Kehren ־wir nun zu unserem Stücke zurück, so linden wir eine!reiflich angelegte und gegliederte Technik, Ein künstlerisch durchdachter Flau zieht sich durch das Ganze, und so regelrecht sich auch die Handlung abspinnt, so pulsirt sie doch vom Act zu Act in immer lebendigeren und kräftigeren Schlügen. Wir bedauern, dass wir hier den Gang des Stückes im Grossen und Ganzen nicht ])loslegen und noch vielweniger zergliedernd und zerlegern! in die Theile der Jlamllung eiiulringen können. Gern möchten wir den guten Eindruck, den das Stück auf den Leser machen muss, durch irgend eine Musterstelle begründen und bekräftigen; aber hier liegt die Gefahr nahe, etwas gewaltsam aus dem Zusammenhänge, wie. ein Glied aus der Kette herauszureissen, und wir würden es dann machen wie jener Mann in der Fabel, der als Probe eines schönen Hauses einen Ziegelstein herumzeigte. Die Parteien sind hier in der Geschichte so nahe zusammengcrückt und prallen so dicht auleinan־ der, dass grelle Gegensätze auch in der Poesie kaum zu vermeiden waren. Dieser Contrast 'tritt aber bei Möbius last durchgängig mit eben so vielem Muss, als poetischer Wahrheit zu Tage, und wirft ein helles, energisches Lieht auf die Lage des bedrängten Volkes. Aus dieser Anlage des Ganzen lliesst, wie von selbst, die Zeichnung und Aufstellung der einzelnen Charaktere hervor. Diese sollen gleichsten meerestief und braunenklar vor unser geistiges Auge hintreten; da darf kein Pünktchen sein, das uns dunkel bliebe, und der Dichter