Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 »Jüdische Dramen da Joseph, au der Hand seiner Pflegeschwester Mara, die sich für den Geliebten opfern will, einen Fluchtversuch macht und darauf ertappt wird, 90 werden beide des Verratlies an der christlichen Kirche beschuldigt und zum Feuertode verdammt. — Alles wäre verloren gewesen, wenn nicht die französische Revolution helfend hereingetreten wäre. Im September 1791 besclnvor Ludwig XVI. die neue Verfassung, und die constituirende Versammlung zog nun alle ״der päpstlichen Herrschaft unterwürfigen, aber in Sitte und Sprache zu Frankreich gehörigen Lande46 ein. Unter diesen war auch die Grafschaft Venaissin mit der Hauptstadt Carpeutras. Ein von der constituirerideu Versammlung abgesundter Comrnissair trägt auch hierher die Petschaft von dem Siege, den die Ideen der Duldung und Gewissensfreiheit in Frankreich errungen, und gibt seinen Worten auch durch Thaten Nachdruck, indem er den fanatischen Priestern ihren jüngsten Raub aus den Händen reisst, die Armen auf freien Fuss setzt und, im Namen der französischen Nation, die Gleichberechtigung aller Confessioncn auesprieht. Der Dichter lässt den Raub selbst im ersten Acte als Vorspiel vorangehen, und die Handlung, welche den cigentliehen Inhalt des Drama’s ausmacht, vollzieht sich zwölf Jahre später. Es war ein richtiges Gefühl, das den Verfasser bewog, die Handlung des Stückes der allzunahen Gegenwart zu entrücken, und, mit geschickter Anlehnung an eine ähnliehe historische Thatsachc, in die Zeit des Ausbruchs der französischen Revolution zu versetzen. Dadurch hat er ein spannendes Moment mehr in das Stück hineingezogen und einen belebten Hintergrund für das Ganze gewonnen. Es ist offenbar eine sichere, kunstgeübte Hand, die sich hinter diesem Werke verbirgt, denn sie hat es verstauden, die dünnen Fäden der Handlung, die jeden Augenblick zu reissen drohen, auf einen Punkt zu sammeln und zu einem festen Gewebe zu verbinden. Anfangs geht alles gut; wir sehen über die Leere und Armuth der Handlung, über den Mangel an Leben und Mannigfaltigkeit hinweg, und geben uns der Täuschung hin, als