Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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der (!egen wart. 87 ton wir dadurch diese Dichtgattung auch nur um einen Fass breit aus ihrer Stellung herauszuschlagen. Wir wissen vielmehr, dass diese Erscheinung tief in dem Wesen unserer Zeit begründet, und nichts als ein poetischer Ile- Ilex ihrer sonstigen Stimmungen- und Strebungen ist, und es Inesse wider den Strom schwimmenי wollten wir gegen sie in den Krieg ziehen. Aber wir halten dafür, dass die Kritik immer auf dem Platze und stets bereit sein muss, ihre Maasso anzulegen, und das Ergehn iss ihrer Musterung in die Welt hinaus- Zurufen, damit sie über den wahren Werth und die kirnstlerische Berechtigung dessen, was ihr geboten wird, nicht im Dunkeln bleibe. Auch der gelungenste Versuch dieser Glättung wird die Zweifel, die wir gegen sie erheben zu müssen glaubten, nicht zu Schanden machen können, und gerade, die neueste hier einschlagende Dichtung ist ein beredter Zeuge, lür unser absprecheudes Urfcheil, um so beredter, je grüs- 8er die dichterische Kraft ist, die sich hier auf falsche Wege verirrt hat. Es ist dieses Leopold Stein, der in seinem ״Knabenraub von Carpcutrasu eine Dmnnitisirnng dm׳ Mnrlarageschickte versucht hat. Wir können uns in der Üesprechting dieses. Stückes kurz fassen; denn wir brauchen nur von dem, was wir bisher im Allgemeinen entwickelt Indien, die Nutzanwendung auf diesen Einzelfall zu machen. Die .Handlung ist einfach und beruht, wie der Dichter selbst im Vorwort auseinandersetzt, auf geschichtlichen Thatsacheu. Um die zweite Hulfic des vorigen Jahrhunderts wurde einem, in der damals unter päpstlicher Herrscliaft stellenden Stadt. Carpentms lebenden, wackeren und angesehenen Juden, Namens Abraham Messe, sein hoffnungsvoller Sohn unter dem Vorwände, er sei von der christlichen Amme getauft worden, gewaltsam entrissen, und wider Willen dem Schosse der allein seligmachenden Kirche einverleiht. Vater und Mutter liehen unter Thränon und Händeringen, um die Herausgabe des gerauhten Joseph, — alles vergebens, die Kirche will ihre Beute nicht lassen. Ja,