Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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der Gegenwart. (־,א Zuschauers anrufcn? Eine Suite, die allzuoft angespannt wird, gibt zuletzt nach und wird schlaft" oder springt auseinander! Man irrt, wenn man uns hier von dem einförmigen Gange der politischen Thaten und Geschehenisse ab- und auf die inhaltsschwere und wechselreiche Geschichte des jüdischen Geistes hinlenkt. Es ist wahr, je schwächer, armer und trauriger das äussere Leben dieses Volkes ist, desto kräftiger, reicher und freudiger ist sein inneres. Und diesem Seelenleben nachzugehen, seine geheimsten Fasern bloszulegeu, aut seinen innersten Pulsschlag zu horchen, diesen gehetzten Geist Ln seinem stillen Kämmer- Lein, wo er rastlos hämmert und schall’[, uulzusuehcn, — wahrlich, das ist schön und gross, aber — dramatisch ist es nicht. Denn Drama ist Handlung, und diese suchen wir vergebens in einem von allen äusseren Thun und Treiben zurüekgesi.ussencn, von allem Körperlichen ab• gezogenen Leben, Aber nicht allein Leben, Bewegung, Vielheit fehlt diesen Dramen, nur zu oft gellt auch die künstlerische Einheit und Ganzheit verloren. Wir meinen diejenigen Dramen, wo mau die jüdische Nationalität in den Hintergrund zu drängen und vor den Äugen des Zuschauers im Ilerzen des Helden zu tüdten und gewaltsam zu ersticken sucht; da stösst man diese Nationalität mit ihren rdtehrwürdigen Rechten gleichsam vom Throne und zwingt sie, zu Gunsten der Freiheit abzudanken, — als ob diese beiden Geistesmäehte sich gegenseitig aussclilössen und nicht recht wohl in Frieden bei einander wohnen könnten! Der Schaden, den dieser so nahe liegende Fehlgriff gerade hier anrichtet, hegt auf der Hand. Denn es ist mit einen! echten Drama wie mit einem plastischen Kunstwerke. Welcher Bildhauer greift wohl, wenn er etwas Dauerndes schaffen will, nach zerbröckeltem Marmor oder nach geborstenem Erz? So soll auch das dramatische Kunstwerk auf einem einheitlichen Unterbaue fassen und aus der Hand des Künstlers wie aus einem Gusse hervorgehen. Jene jüdischen Dramen aber wissen nur von einem