Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdische Dramen st gekauert, seinen unsagbaren Schmerz in lauten Klagen auszuweinen. Es geht ein trauriger Zug durch die Ge* schichte dieses Volkes: ein llacheschrei, der nicht zur Ruhe kommen, ein schriller Misston, der sich nicht in Harmonie aullüsen will. Man wird zugestehen, dass liier kein Feld Ihr die dramatische Muse sein kann, denn sie (liehet die Aecker, die nur mit Blut gedüngt, nur mit Thränen gesiiet sind. Daher kommt es denn auch, dass selbst über den bes seren Dichtungen dieser Art. — wir erinnern an Mosenthal's Deborah, an Woll'sohn’s Osternacht — ein schauriges Düster wie eine gedrückte Luft ausgel! reitet liegt, und sie bald mit dünneren, bald mit dichteren Nebelwolkeu überwebt. Wollen wir doch unsere Helden nicht blos beweinen, — auch bewundern, beneiden wollen wir sie. Freudig ziehen wir im Geiste ■mit ihnen in den Kampf, weil wir mit. ihnen auf den Sieg der guten Sache hoffen. Wo aber ist liier, in dieser Oede, die uns von binnen treibt., ein Lichtpunkt, der uns bannen konnte? Hier ist kein Reiz, der uns lieblich anheimelt, nichts, was uns traulich an’s Ohr klingt. Kein, drückend wie ein Alp lastet, es auf unserer Brust, und wir suchen die Bürde abzuschütteln, um freier wieder aufzuatlnncn. Die griechische Sage weiss von einein gefallenen Riosen zu erzählen, der dazu verdammt ist, mühsam eine Steinlast den Berg hinanzuwälzen und sie doch nimmer von der Stelle zu bringen, — wahrlich, ein schwarzes Bild, ein bitterer Anblick! Doch drängt es etwa mehr, ist es süsser, einem gequälten Volke zuzusehen, wie es fort und fort seine Schmach von sich abreissen will — und nicht kann, wie cs seine verlorene Freiheit, sein Volkstluun sucht — und nicht findet? Es ist immer nur dieser eine dunkle Himmel, der dämmernd über diesen Stücken steht, es sind alles nur Variationen eines und desselben Thema's, Widerhalle einer und derselben Klage. — Oder wäre die Poesie nur dazu ein Zauberstab, dass sie an das felsige Herz des Menschen anschlage und ihm Wasser entlocke! Wer wird auch fortwährend das Mitleid des