Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 466 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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466 . Die Philosophie der Juden. gen Geheimnisse entdeckt;׳ eine plötzliche Verzückung, die sie zu den himmlischen Regionen hinträgt. Moses hört auf dem Sinai die Stimme des Ewigen unter Donner und Blitz; Ezechiel wird ergriffen von einer göttlichen Hand, die ihn über die Erde erhebt und ihn der Majestät des Gottes Israel von Angesicht zu Angesicht gegenüberstellt. Und diese ganze glühende Poesie erstarrt zu Eis unter der kälten Analyse des Maimonicles; er sammelt methodisch die Erzählungen der alten Propheten; er analysirt ihre Erscheinungen, vergleicht ihre Traumgeschichte mit der Kaltblütigkeit eines Anatomikers, der mit Hülfe des Skalpirmessers und des Mikroskop die Windungen des Gehirns untersucht, und aus allem diesen , geht dann die Definition des Propheten hervor, eine Leiter von Formen und Stufen der Prophetie, mit einem Worte eine jener regelmässigen und wissenschaftlichen Theorieen, wie sie Aristoteles liebt und das Novum organmn sie verlangt. Zu einem Propheten gehören drei Bedingungen: zuerst eine Vorbedingung, G eradheit der Seele und Reinheit der Sitten, sodann zwei wesentliche Bedingungen, Stärke des Verstandes und der Einbildungskraft. Hören wir, wie Maimonides die Prophetie definirfc: ,,Wisse, dass die Prophetie ein Ausfluss Gottes ist, die sich durch das Medium der activen Intelligenz über die Einbildungskraft ausbreitet; sie ist die höchste Stufe des Menschen und das Ziel der Vollkommenheit, zu der er gelangen kann, und dieser Zustand ist die höchste Vollkommenheit der Einbildungskraft“ '). Diese Definition ist ganz rationalistisch. Die Prophetie ist, statt etwas Wunderartiges, Uebernatürliches zu sein, etwas Natürliches und Ordnungsgemässes. Sie hat überdies nicht ihre Quelle in einer directen Dazwischenkunft des göttlichen Willens, sondern in dem natürlichen und allgemeinen; Wirken der activen Intelligenz, des gemeinsamen Herdes der Geisteskräfte. Nach Feststellung dieser Definition bemüht sich der ג) Le Guide des Egares? p. •II, pag. 281. , .;