Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Philosophie der Juden. 405 Dieses ist die gotteslästerliche Idee, welche das Mittel־ alter in den peripate tischen Commentaren des Averroes zu entdecken glaubte, und welche ihm jene Bannflüche zuzogen, deren Widerhall sieh durch mehrere Jahrhunderte hinzog, in der Volksmeinung nachklang und in tausend Legenden in Frankreich und Italien Ausdruck fand. Der gerade und umfassende Verstand des Maimonides ist von solchen Gedanken weit entfernt. Wahrscheinlich kannte er sie bei der Abfassung des ״Führers der Verirrten“ gar nicht, da er die Bücher des Averroes erst am Ende seines Lebens.in die Hand bekommen hat. Sicherlieh hätte er sie als Jude wie als Philosoph verworfen. Wir sehen ihn in der That ohne Argwohn die Theorie der äctiven Intelligenz, so wie sie Avicenna auseinandergesetzt hatte, aufnehmen. Wenn er auch vollkommen anerkennt, dass unsere schwachen Geisteskräfte ihr Licht und Leben von einem höheren Principe erhalten, so glaubt er dennoch fest an die Persönlichkeit und an die Freiheit des menschlichen Individuums, an die Fortdauer des Ich nach dem Tode, und an all die moralischen und religiosen Folgerungen, die daraus hervorgehen1). Es ist zwar viel Verstand, aber so wenig Originalität darin enthalten, dass wir, die wir im ״Führer der Verirrten“ nur die charakteristischen Züge aufsuchen, diese Theorie gar nicht erwähnt haben würden, wenn sie nicht in Verbindung stände mit den Ansichten Maimonides’ über die Prophetie und die Wunder, die hier äusserst merkwürdig und höchst originell sind. Wie ich glaube, erscheint in dem ״Führer der Verirrten“ zum ersten Male in der Welt eine philosophische Theorie der Prophetie. Prophetie, philosophische Theorie, diese Worte scheinen einander zu widersprechen; denn was entzieht sich anscheinend mehr den Verstandescategorien, als die übernatürliche Inspiration? Sie ist ein Blitz von Oben, der in eine Seele fällt und ihr die ewi- ב) Vgl. den dritten Theil des Guide des Egares, welchen Munk noch nicht übersetzt hat, dessen Geist und Wesen er uns jedoch gegeben in seinen Melanges de philosophie juive et arabe, p. 486b. Vgl. auch Franck, Etudes orientales, p. 317 f.