Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 464 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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464 Die Philosophie der Juden. Denselben klaren Verstand, denselben Geistesreiclithum, vielleicht■ auch nicht ohne denselben Mangel in der logischen Consequenz, finden wir in einer anderen Theorie des Maimonides, die wie die vorhergehende, ebenfalls alexandrinischen Ursprungs ist, eine merkwürdige Theorie, die man wohl mit ihrem althergebracht en und scholastisehen Namen die Theorie der ״thätigen Intelligenz“*) nennt. Nach der Lehre seiner arabischen Meister nimmt Maimonides an: es gibt zwischen Gott und dem Menschen, dem vollkommensten der unter dem Monde befindlichen Geschöpfe, eine gewisse Anzahl Mittelwesen: dieses sind zunächst die Seelen der himmlischen Sphären, ferner gesonderte, von jeder Verbindung mit dem Körper freie Seelen, Unter diese höheren Wesen muss man eine gewisse Intelligenz setzen, thätige Intelligenz (Iniellectus agens) genannt, deren Bestimmung darin besteht, die Geisteskräfte der Menschen in Thätigkeit zu setzen Unsere intellectuellen Fähigkeiten sind an und für sich träge und gleichsam• eingeschläfert. Die thätige Intelligenz erweckt und befruchtet sie; sie lässt dieselben, um mit Aristoteles zu reden, von der einfachen Kraft zur Thätigkeit übergehen. Man weiss, welche Wichtigkeit im Mittelalter der Frage über die ״Intelligenz“ beigelegt wurde, besonders als Averroes und seine Schüler eine Art Ocean daraus machten, dessen Finthen die menschliehen Intelligenzen sind. Jede dieser Finthen steigt zu ihrer in der Ewigkeit bezeichneten Stunde an die Oberfläche, erscheint auf einen Augenblick, verschwindet dann wieder in den Grund der Tiefe, um anderen Finthen den Platz zu überlassen, die denn ihrerseits auch wieder verschwinden, und so der Reihe nach, ohne Ende und Rast. Dieser Ocean ist Gott selbst, und die abwechselnde Bewegurig dieser Finthen ist die Aufeinanderfolge der menschliehen Generationen, die einander stossen und sich eine nach der anderen in dem ewigen Schlund verlieren. *) Bekannt unter der Benennung: שכל הפועל. F. 1I Ueber den Intellectus agens und Averroes ist zu vergleichen die gelehrte und geistreiche Monographie: Averroes et l’Averroisme von E. Renan.