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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 12 · p. Seite 463

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 12
Article
Die Philosophie der Juden
Date
1862-01-01
Page
Seite 463 (sequence 19)
Language
German
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Die Philosophie der Juden. 463 er dieselbe aus den Händen Avicennes empfangen hatte, alles Mögliche auf bietet, um sie zu mildern. Sein starker Verstand, sein israelitischer Glaube empören sich gegen einen verdorbenen Peripatetismus, dessen Gonsequenzen ihn erschrecken, ohne dass er wägt, das Princip desselben zu verwerfen. Was thut er? Er entschlüpft durch eine Hinterthür; er erdenkt einen Ausweg, um der Gott heit die Attribute, die er ihr soeben geraubt hat, wiederzugeben, und zwar in folgender Weise: ,,Ich behaupte, sagt er, dass Gott Attribute unters eineben, die Einfachheit seiner unzerlegbaren Wesenheit verändern heisst; aber ich verstehe unter Attributen solche positive Bestimmungen, durch die man das Wesen Gottes zu charakterisiren und zu bereichern wähnt. Wenn es sich aber nicht mehr um.positive, sondern um negative Bestimmungen handelt, so geht die Sache ganz anders; denn so sehr wir nicht wissen, was Gott ist, eben so sehr wissen wir mit vollständiger Gewissheit und können es angeben, was Gott nicht ist. So ist Gott nicht vielfältig; er ist nicht theilbar; er ist weder in der Zeit, noch im Raume. Nichts ist richtiger als diese negativen Attribute, und man kann sie nicht zu viel vermehren; je mehr man sie häuft, desto mehr scheidet man die Gottheit von dem, was sie nicht ist, desto mehr gewöhnt man sich, ihre Wesenheit als rein, einfach und unerfassbar anzunehmen. Ist nun diesem so, so haben wir vollkommen Recht zu sagen, dass Gott niemals ungerecht, niemals unwissend, niemals unvorsichtig und blind sei, dass er frei sei von jeder Bosheit und jeder Lüge, von jedem Irrthume. Und wenn man ihm in diesem Sinne Wissen, Gerechtigkeit, Güte, Freiheit, Bewusstsein beilegt, so stimmt das mit der Vernunft wie mit dem Glauben vollkommen überein.“ Man wird vielleicht über dieses künstliche Vernünfteln lächeln; aber man muss es Maimonides Dank wissen, dass er, und sei es auch um den Preis einer kleinen Spitzfindigkeit und Inconsequenz, diese Attribute des Wissens, der Gerechtigkeit, der Freiheit wiedergefunden hat, welche die Persönlichkeit Gottes ausmachen und ohne die Gott nur eine leere und todte Abstraction ist. 33*

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