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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 12 · p. Seite 462

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 12
Article
Die Philosophie der Juden
Date
1862-01-01
Page
Seite 462 (sequence 18)
Language
German
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462 Die Philosophie der Juden. von Stufe zu Stufe, von Reich zu Reich erhebt. Schon in dem organischen Leben wirft es seine ersten Schimmer; nach und nach entfaltet es sich, wirft Strahlen und gelangt endlich im Menschen zu seiner höchsten Stufe der Reinheit und Klarheit, zum Bewusstsein und zum Besitz seiner selbst. ■Aber das menschliche Denken, so rein es auch sein mag, ist voll von Mängeln; es hat seine Dunkelheiten, Zeichen einer unvollkommenen Natur, die von einem höheren Principe abhängt. Dieses erhabene Gedankenleben, dessen wir uns nur blitzartig erfreuen, besitzt Gott ewiglich. Das Denken ist seine Wesenheit; es macht sein Leben und sein Glück aus., Gott, sagt Aristoteles, ist ein ewiges und vollkommen Lebendes1). Nicht in einer solchen so verständigen und zugleich so hohen und erhabenen Theodicee kann Maimonides die Lehre von einem abstracien und unbestimmbaren Gott gefunden haben; aber wenn er sie weder aus der Bibel, noch aus Aristoteles hat, wo denn hat er sie gefunden? Dieses Problem ist nicht unlösbar; es genügt, um das Räthsel zu finden, sich zurückzurufen, welchen Gang Maimonides’ philosophische Erziehung genommen. Er hat sich nicht direct mit Aristoteles beschäftigt, er hat ihn durch die Vermittlung der Araber , besonders Avicenna’s kennen gelernt. Und Avicenna’s Aristoteles ist nicht der reine Aristoteles, vielmehr der durch die Commentare der Neuplatoniker veränderte Aristoteles, der Aristoteles der Alexandriner. Die Theorie von Gott ohne Attribute ist in Wirklichkeit weiter nichts, als die reine Lehre Plotin’s2). Es ist so wahr, dass diese Lehre ganz und gar dem Geiste der aristotelischen Philosophie und dem wahren Sinne der Bibel widerspricht, dass Maimonides, nachdem L) Metaphysik B. 12, Cap. 7. 8. 9. Vgl. Ethik■ VII, 14. 15. X, 8. 2) Um dieses klar zu erkennen, genügt die Lectüre der Enneaden des Plotin. (Plotin hat hierin schon einen Vorgänger gehabt in dem Alexandriner Philo, von dem der Xeuplatonismus seinen eigentlichen Ansgang nimmt. Philo kommt an unzähligen Stellen darauf zurück, es können von Gott nicht Attribute ausgesagt werden; nur xd ov kann er — wobei sich Philo auf Exod. 3, 14 8yco sipi 0 10v beruft — genannt werden.) F.

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