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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 12 · p. Seite 461

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 12
Article
Die Philosophie der Juden
Date
1862-01-01
Page
Seite 461 (sequence 17)
Language
German
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Die Philosophie der Juden. 461 dem Munde die Einheit Gottes aussprechen, sie im Grunde ihres Herzens dennoch leugnen oder wenigstens sie abwechselnd annehmen und leugnen, und so in einen oflenen Widerspruch gerathen. ״Derjenige,“ sagt er, ״der etwa glauben sollte, dass Gott einzig ist und dennoch zahlreiche Attribute besitzt, würde durch seine Rede bekünden, dass er einzig ist, aber in seinem Denken ihn dennoch für vielfältig halten. Dies würde dem christlichcn Ausspruche gleichen: ״Er ist eins, dennoch ist er dreifach, und die drei sind wiederum eins.“ Welchen Standpunkt man auch in dieser delicaten Frage einnehmen mag, so gibt es sicherlich einen gemeinsamen Punkt zwischen dem alten und neuen Gesetz, nämlieh den, dass in dem einen wie in dem anderen Gott nicht als eine todte, unbestimmte, verhüllte, in sich versenkte Einheit gefasst wird, sondern als eine lebendige Einheit, als ein freier Schöpfer, als wohlthuende Vorsehung. Darin liegt der charakteristische Unterschied zwisehen der jüdischen Theodicee und den mystischen Begriffen des äüssersten Orients, und dieses Gefühl (Bewusstsein) eines persönlichen und lebendigen Gottes ist aus der jüdischen Tradition in die Dogmen des Christenthums übergegangen. Sollte also die Autorität des Aristoteles in Maimonides’ Geist über das jüdische Gefühl die Oberhand gewonnen haben? Nicht im Entferntesten. Von diesem Begriffe eines einzigen untheilbaren Gottes findet sich bei Aristoteles keine Spur. 0offnen wir das zwölfte Buch der Metaphysik. Gott wird dort definirt: die Intelligenz oder der Gedanke (JVb^cwc), nicht die unbestimmte Denkfähigkeit, sondern der wirkliche (thätige) Gedanke, das Denken, das volles Bewusstsein von sich hat und ewig sich selbst denkt, mit einem Worte, der Gedanke des Gedankens. Was ist schärfer entgegengesetzt dieser unzerlegbaren Einheit, diesem geheimnis'svollen, nndurchdringlieben, in sich selbst eingeschlossenen, zu den übrigen Wesen in keiner Analogie stehenden Princip? Das Denken ist überall im Universum verbreitet, es erscheint in immer kenntlicheren Zügen in dem Masse, wie man sich , Frank elנ Monatsschrift. XL 12. 35

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