Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Die Philosophie der Juden. den Ursprung und das Ende unseres Eintagdäseiüs werfend, das menschliche Leben in Finsterniss hüllt. Nicht ohne Rührung und Theilnahme hört man mitten in einem Labyrinth von spitzfindigen Auseinandersetzungen und trockenen Abstractionen die Stimme des Forschers bewegt ausrufen: ״Lob sei dem, der so hoch erhaben ist, dass, wenn unsere Vernunft sein Wesen betrachtet, ihre Fassungskraft sich in Unfälligkeit des Erfassens wandelt, und dass sie, wenn sie prüfen will, wie sein Thun aus seinem Wollen hervorgeht, sich in Unwissenheit umwandelt, und dass, wenn die Zungen ihn durch Attribute verherrlichen wollen, alle Reredtsamkeit ein Stammeln wird.“ Diese Lehre von dem Gott ohne Attribute, von dem untheilbaren und unaussprechbaren Gott, wer hat sie Maimonides eingehaucht oder gelehrt? Rührt sie aus der Bibel her? Und in dieser Bibel, aus dem alten oder neuen Testament? Und wenn sie nicht aus den heiligen Quellen geschöpft ist, stammt sie aus der profanen Weisheit? Etwa von Aristoteles? Es ist auf dem ersten Blick einleuchtend, dass diese Theorie dem Buchstaben wie dem Geiste des Christenthums widerspricht. Um nur einen Beweis anzuführen, was ist mehr anti-christlich, als zwisehen Gott und dem Menschen eine unübersteigbare Kluft hinzustellen? Das wesentlichste Dogma des Christenthums ist die engste Vereinigung Gottes mit dem Menschen durch die Incarnation (Fleischwerdung). ־ Der Gott der Christen ist ohne Zweifel vollkommen und unbegrenzt, und seine Incarnation in dem Menschen ist ein Geheimniss; aber wenn es zwischen diesem erhabenen Wesen und seinem Geschöpfe keine Beziehung, keine Analogie gäbe, so würde das Dogma vom Gott-Mensch nicht mehr ein blosses Geheimniss, sondern eine flagrante Abgeschmacktheit sein. Ueberdies ist Mahnonides Jude, Jude dem Geiste wie der Abstammung nach, und Niemand weiss besser als er selbst, dass seine Theorie vom nntheilbaren Gotte dem christlichen Dogma diametral entgegengesetzt ist. In einer sehr bemerkenswerthen Stelle des ״Führers der Verirrten“ spricht er, von Denjenigen, welche, obgleich sie mit