Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Die Philosophie der Juden. doch bald unter seiner klugen und besonnenen Hand eine ganze metaphysische Theorie sich auf bauen,י die sich bald enthüllt, bald wieder verschleiert, die aber augenscheinlieh in seinem Geiste schon voraus ganz vollendet, sich auf eine tiefe Reflexion stützt. Es ist dies die Idee der absoluten Untheilbarkeit Gottes. Wenn Maimonides sich darauf beschränkte, den Symholen der Einbildungskraft die Idee eines unkörperlichen und unbegrenzten Gottes entgegenzustellea, so würde darin nichts sehr Originelles liegen; aber er hat ein anderes Ziel: er will uns zu der Erkenntniss führen, dass Gott einzig ist, von absoluter und unzerlegbarer Einheit, was er durch die Behauptung ausdrückt, dass Gott keine Attribute hat. Die Tragweite dieser Lehre ist sehr gross. Dass Gott unbegrenzt und folglich unbestimmbar sei, dass seine unermessliche Wesenheit nicht in den Grenzen einer engen Determination eingeschlossen werden könne, dass jede Aufzählung seiner Eigenschaften unendlich weit hinter seinen unzählbaren Vollkommenheiten zurückbleibe, das •sind sehr philosophische Meinungen, deren Wahrheit Maimonides durch eine geistreiche Erzählung aus dem Talmudז) sehr treffend veranschaulicht. ״Jemand bediente sich in Gegenwart Rabbi Chanina’s beim Gebete der Ausdrücke: Grosser, mächtiger, furchtbarer, erhabener, starker, gefürchteter, achtunggebietender Gott. Der Rabbi unterbrach ihn mit den Worten: Hast du alle Lobeserhebungen deines Gottes erschöpft? Sicherlich würden wir nicht wagen, auch nur die drei ersten Attribute auszusprechen, wenn sie nicht Moses in der Lehre angewandt und die Männer der grossen Synagoge im Gebete festgestellt hätten. Und du, du sprichst eine so grosse Zahl aus! Würde, um ein Gleichniss hierfür anzuführen, ein irdischer König, der Millionen Goldstücke besitzt, es nicht für eine Beleidigung halten, wenn man nur seinen Reichthum an Silberstücken rühmte?״ Maimonides macht hier fein und scharfsinnig die Bemerkung, dass die Beleidigung nicht in dem Zurückbleil) ״More Nebuchim“ Theil I.