Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 455 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Philosophie der Juden. 455 Welcher Schluss ist daraus zu ziehen? Dass es in der heiligen Schrift viele Metaphern gibt und viele Worte, die einen doppelten Sinn haben. Das Wort ,,Bild“ (hehr. ״Zelem“) bezeichnet die äussere Form, aber es bezeichnet auch die speeifische Form. Von der ersten Bedeutung muss man hier absehen und sich an die zweite halten. Statt Gott zu verkörpern, muss man sich vergegenwärtigen, dass Gott die Vernunft selbst ist, und da die Vernunft die speeifische Form des Menschen, wird man begreifen, dass der Mensch Gott gleicht, insofern er vernünftig ist (durch seine Vernunft), woraus dann folgt, dass er, je mehr er seine Vernunft ausbildet, umsomehr er sich dem göttlichen Musterbilde nähert. Maimonides setzt diese kühne und tiefe Exegese in ihrer scheinbaren Einfachheit fort. Er fragt sich, was man zu verstehen habe unter Bibelsprüchen wie: ״Gott sah, dass es gut war“ (Genesis 1). ״So spricht der Ewige: der Himmel ist mein Thron“ (Jesaias 66, 1). ״Und der Ewige stieg herab auf den Berg Sinai“ (Exodus 19, 20). ״Und Gott stieg wieder auf über Abraham“ (Genesis 17, 22). ״Jetzt will ich aufstehen“ (Psalm 12, 6). — Kann man glauben, dass Gott körperliche Organe, Augen, Hände habe, dass er auf einem Throne sitze, von dem er hinabsteigt und auf den er wieder zurücksteigt? Das׳ sind offenbar allegorische Ausdrücke. Und die Bibel selbst sichert uns vor einer plumpen Exegese, wenn sie sagt: ״Und durch die Propheten mache ich Gleichnisse“ (Hos. 12, 11), oder wenn sie das Wort der Weisen und ihre Räthsel rühmt (Sprüchw. 1, 6), oder wenn sie die Propheten Allegorienmacher nennt (Ezechiel 21, 5). Die körperlichen Organe, die von der Bibel Gott zugeschrieben werden, bezeichnen also geistige Vollkommenheiten; die Bewegungswerkzeuge zeigen an, dass Gott das Leben, dessen Symbol ja die Bewegung ist; die Empfindungswerk־ zeuge, dass er der Gedanke ist, die höchste Form der Empfindung; endlich 8p rach Organe, dass er das Wort ist, das will sagen, dass er die Intelligenz offenbart. Während Maimonides sich in dieser etwas minutiösen Exegese zu gefallen und zu verirren scheint, sieht man