Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 12 · p. Seite 454

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 12
Article
Die Philosophie der Juden
Date
1862-01-01
Page
Seite 454 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829289-2859236--07322-2859287
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

454 Die Philosophie der Jaden. Denkens ausgeübt hat. Maimonides ist einer von den Männern , die am meisten zu dieser Herrschaft der peripathetischen Idee beigetragen. Aristoteles ist ihm der vorzugsweise, der vollendete Philosoph, das fast unfehlbare Organ der Vernunft. Die Bibel vernunftgemäss erklären heisst daher, sie in aristotelischem Sinne erklären. Von diesem Gesichtspunkte aus fällt die exegetische Aufgabe, die sich Maimonides gestellt hatte, mit derjenigen zusammen, die ein Jahrhundert später alle grossen Lehrer des Christenthums zu lösen versuchten, nämlich die Vereinbarung der göttlichen Weisheit, die in der Bibel aufgestellt ist, mit der menschlichen im Aristoteles verkörperten Weisheit. Maimonides ist der Vorläufer von Thomas von Aquino, und der More Nebuchim eine Ankündigung und Vorbereitung der Summa theologiae. Gleichwohl ist der Unterschied in der Behandlungsweise Beider gross. An Stelle des feierlichen Ganges des englischen Gelehrten*), der seine Prämissen aus der hochsten Höhe des Himmels holt und von da langsam auf die Erde niedersteigt und die Kette seiner Consequenzen entrollt, beginnt der Philosoph der Synagoge, kühner im Grunde, aber bescheiden und discret in seinem Gange, einfach mit kleinen Bemerkungen über einige Bibelverse. Thomas entfaltet seine Lehre und trägt sie auf, Maimonides lässt sie errathen und deutet sie nur leise an. 0ebnen wir die Bibel. In den ersten Versen der Genesis finden wir folgende merkwürdigen Worte: ״Lasst uns machen einen Menschen in unserem Bilde, nach uriserer Aehnlichkeit“ (Genesis 1, 26). Was will dieser Vers sägen? Sollen wir das Wort ״Bild“ im buchstäblichen Sinne nehmen? Unmöglich. Sich Gott in einem Bilde vorstellen, Messe ihm einen Körper geben, ihn vermenschliehen. Gott ist der reine Act des Denkens, die unsichtbare und immaterielle Intelligenz. Das sagt die Vernunft, und steht auch in der Bibel selbst geschrieben: ״Du sollst dir nicht machen ein Bild von dem Ewigen, deinem Gotte.“ Aristoteles und Moses stimmen hierin überein. *) Thomas von Aquino, genannt Magister angelicus. F.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.