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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 12 · p. Seite 453

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 12
Article
Die Philosophie der Juden
Date
1862-01-01
Page
Seite 453 (sequence 9)
Language
German
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Die Philosophie der Juden. 453 mit einem tiefen Gefühle der Unruhe. Auch hütet er sich wohl, die neue Methode, in deren Besitz er ist, zur Schau zu stellen. Diese Methode aber ist in der That nichts weniger, als das, was man heutzutage rationelle Exegese, oder noch deutlicher Rationalismus nennt. Das Hauptprincip des Maimonides ist, dass die Offenbarung nicht in Widerspruch mit der Vernunft stehen könne. Jede Erzählung, jedes Wort, welches gegen die Vernunft anstösst, muss durch die Interpretation auf einen vernünftigen Sinn zurückgeführt werden: man muss darin eine Hyperbel, eine Allegorie, ein symbolisches Bild erblicken und dann den Buchstaben beiseite setzen und den Geist aufsuchen. Aber diese Vernunft selbst, die sich hier zur Beherrscherin der Interpretation aufwirft und dem Glaubei! Regeln vorschreibt, darf es ׳ wohl die Vernunft des Unwissenden, des Leichtsinnigen, des ersten Besten sein? Nein, es muss die Vernunft sein, die von der Wissen- Schaft geleitet, von der Gradheit des Herzens und der Reinheit des Lebens getragen wird: die Vernunft der Weisen; unter diesen Weisen aber räumt Maimonides einen ganz eigenen, besonderen Rang dem Aristoteles ein. Diese Vorliebe will erklärt sein. Maimonides hat die Philosophie in der Schule der Araber studixt. Sein von ihm am meisten verehrter Lehrer ist nicht etwa, wie man bis auf die neueste Zeit fälschlich angenommen hat, Ibn- Rosch (Averroes), sondern Ibn-Sina (Avicenna]). Avicenna nun und die Araber fanden, als sie sich den philosophisehen Studien widmeten, in der alten Welt, selbst in Alexandrien, die Autorität des Aristoteles vorherrschend: sie hatte allmälig über die Platon’s die Oberhand erhalteu und die ganze alte griechische Philosophie in sich aufgenommen. Die Wissenschaft beschränkte sich damals darauf, die Schriften des Stagyriten zu erklären. Die Araber kannten ■Aristoteles nur durch die Commentare von Themistius, Philopon, Simplicius, Alexander von Aphrodisium, und sie selbst waren auch nur Commentatoreu. In dieser Weise wurde durch die Araber, bald auch durch die Juden die fast unumschränkte Herrschaft vorbereitet, die Aristoteles auf die Erziehung des modernen

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