Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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450 Die־ Philosophie der Juden. Stunde, vertraulich Dich besprechen zu können, sei 68. am Tage, sei es bei Nacht, das hoffe nicht. Die Zahl meiner Beschäftigungen ist eine ungeheure, wie Du einsehen wirst.... Alle Tage begebe ich mich am frühen Morgen nach Cairo, und wenn mich dort Nichts zurückhält, so kehre ich um Mittag wieder nach meiner Wohnung zurück. Zu Hause angelangt und matt vor Hunger, finde ich alle meine Vorzimmer angefüllt mit Muselmannern und Israeliten, mit angesehenen Personen und gewohnlichen Leuten, mit Richtern und Steuerbeamten, mit Freunden und Feinden, die den Augenblick meiner Rückkehr gierig erwarten. Kaum bin ich vom Pferde gestiegen und habe mir die Zeit genommen, meiner Gewöhnheit gemäss mir die Hände zu waschen, so gehe ich in aller Eile, meine Gäste zu begrüssen und sie zu bitten, ein wenig Geduld zu haben bis nach meinem Mittagessen. So geht es jeden Tag. Nach beendigter Mahlzeit widme ich ihnen meine Sorgfalt und verschreibe ihnen Heilmittel. Manche trifft noch die Abendstunde in meinem Hause. Oft bin ich sogar, Gott ist mein Zeuge, in sehr späten Nachtstunden beschäftigt, zu hören, zu sprechen, Rath zu ertheilen, Heilmittel zu verschreiben, bis sich bisweilen wegen meiner übermässigen Müdigkeit der Schlaf meiner bemächtigt und ich erschöpft und sprachlos hinsinke.“ So viele Beschäftigungen, Pflichten und Obliegenheiten hinderten Maimonides nicht, sich zu sammeln und an der Abfassung seiner zahlreichen Werke zu arbeiten. Es gibt deren drei Arten; zuerst medicinische Abhandlungen, sodann rein theologische Schriften, unter denen die Mischna- Torah, ein Auszug aus dem Talmud, die geschätzteste ist, und endlich Abhandlungen, in denen die Philosophie und Theologie sich vereinigen, und in dieser Classe leuchtet vor Allem ״Der Führer der Verirrten“ hervor, ein Werk, das dem Verfasser vorzugsweise die Aufmerksamkeit von Seiten der Geschichte und die Hochachtung der Nachwelt verschafft hat. Aber man ist nicht ungestraft philosophirender Theolog, selbst als Günstling des Sultans nicht. Maimonides wurde wegen der Freiheit und Kühnheit seiner Ansichten angegriffen. Ein mohammedanischer Theo-