Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 449 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Philosophie der Juden. 449 sehen, der der grösste Lehrer der Synagoge, die Leuchte Israels, das Licht des Orients und Occidents, ein zweiter Moses werden ■sollte*). Zu Cordova in steter Gefahr, suchte Maimonides ein sicheres Asyl in Fez, wo die Sage das Andenken an seinen Aufenthalt bewahrt hat, dann in St.-Jean-d'Acre, endlich liess er sich, nach einer frommen und gefahrvollen Pilgerung nach Jerusalem, in Egypten, im alten Cairo nieder. Dort sollte er nach dreissigjährigen Verfolgungen und Wechselfällen Ruhe, und als Zugäbe Glück, Ehre und Ruhm finden. Der Sultan Salädin hatte gerade das Chalifat der Fatimiden gestürzt und übte über Egypten eine edelmüthige Herrschaft. Maimonides war ihm durch den grossen Ruf, den er sich in wenigen Jahren als Theolog, Philosoph und Arzt erworben, bekan nt geworden. Auf den Rath des Kadhi Al-Fädhel ward er zum Leibarzt des Sultans ernannt und wurde so eine angesehene Persönlichkeit. Man kann aus Maimonides’ eigenen Briefen ersehen, wie glänzend damals seine Stellung und wie beschäftigt er war. ״Ich will es Dir freigestehen,a schreibt er an Samuel Ibn-Tibbon, der sich mit dem Gedanken trug, ihn zu besuchen, um sich seiner Unterhaltung zu erfreuen und sich auf die Uebersetzung seiner Schriften aus dem Arabischen in’s Hebräische vorzubereiten, ״ich rathe Dir nicht, Dich meinetwegen den Gefahren dieser Reise auszusetzen, denn Alles, was Du erlangen wirst, wird sein, mich zu sehen, irgend einen Nutzen aber für die Wissenschaften oder Künste daraus zu ziehen, oder mit mir, und wäre es auch nur eine *) Wir sehen von dieser phantastischen Uebertreibung, ״man konnte M. 17 Jahre hindurch in den Moscheen knieen sehen,“ ab, und glauben überhaupt, wie wir es schon Zeitschr. für die relig. Interessen des Judenth., o. Jahrg. S. 466 ausgesprochen, auf innere Gründe mehr Gewicht legen zu müssen, als auf noch so viele äussere, zudem nicht ganz unverdächtige Beweise. Mahommedanische Schriftsteller hier zu Zeugen anzurufen, scheint sonderbar genug, und Stellen aus anderen Schriften sind nicht so über jeden Zweifel erhaben, als dass sie nicht vor dem entgegengesetzten Ergebnisse aus den Schriften M.’s. selbst zurücktreten müssten. Vgl. auch diese Monatsschrift, 5. Jahrg. S. 352 Anmerk., woselbst der Bericht des Saadia Ibn Danan, dass M., um dem üebertritte zu entgehen, ausgewandert sei. F.