Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Philosophie der Juden. 447 liehe Kenntniss der hebräischen Alterthümer; es musste sich zu ihr hinzugesellen eine mannigfache Gelehrsamkeit, vor Allem das Yersfcändniss der Schriften des Aristoteles, des Lieblingslehrers Maimonides'. Glücklicherweise ist Munk nicht blos ein vollkommener Kenner des Hebräisehen, er ist ein universeller Gelehrter, für den die griechische Philosophie keine Geheimnisse hat. Hierzu kommt noch, dass diese umfassende Gelehrsamkeit bei ihm im Dienste eines höheren Geistes steht, wobei die französisehe Sauberkeit sich glücklich mit der hebräischen Feinheit, Geschmeidigkeit und Kraft vermählt. Munk’s Arbeit hat, abgesehen von ihrem grossen, allgemein 'nützlichen Charakter, auch noch das Verdienst des Zeitgemässen. Sie scheint gerade zur rechten Zeit gekommen, um ein historisches Problem zu lösen, das in den letzten Zeiten in Deutschland und Frankreich vielfach besprochen worden ist und erst ganz vor Kurzem sehr lebhafte Debatten im Schosse einer gelehrten Ge- Seilschaft hervorgerufen hat: wir meinen die Frage über den wahren Ursprung des Spinozistischen Pantheismus. Seitdem die Cartesische Philosophie unter uns der Gegenstand einer so lebhaften Wissbegierde und einer so grossen Anzahl gelehrter Arbeiten geworden ist, hatte man sich daran gewöhnt, in Spinoza nur einen Zwillingsbruder des Malebranche zu sehen , einen Sohn des Descartes, zwar einen legitimen, obschon ungelehrigen Sohn, den sein Vater gern verleugnet hätte. Siehe! da kommt auf einmal ein berühmter Meister, um die Unrichtigkeit und Unhaltbarkeit dieser Meinung zu beweisen, zu deren Verbreitung er selbst mehr denn irgend Jemand beigetragen. Entschieden die wesentlichsten, bis auf diesen Tag anerkannten Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Lehrer und Schüler leugnend, erklärt Herr Cousin, die Anfänge des Spinozismus überall sonst, nur nicht in Descartes zu suchen,• und schlägt uns vor, in der Kabbala oder im More Nebachim nach ihnen za forschen. Hiernach wäre der Verfasser der ״Ethik" nur ein Spätlingskind des alten Akiba, ein als Cartesianer verkleideter Kabbalist, oder vielleicht einfach ein kühner Schüler von 34»