Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 23)
- Language
- German
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Dr, Bernhard Beer. 427 Schaft um. —׳ Auch Elternglück war ihm in mancher Hinsicht beschieden: er nahm eine Verwandte seiner Gattin (die jetzt verheirathete Frau Dr. Francisca Wolf in Wien) als Pflegetochter an, der er fast väterliche Liebe schenkte und in ihr eine Tochter erblickte. So floss sein Leben still und ungetrübt hin, auch seine Gesundheit hatte sich in diesen Jahren gestärkt, und Gattin und Freunde hegten die Hoffnung, ihn lange zu besitzen. Da wurde er aus seiner Ruhe aufgerissen, die er Allen unerwartet hiernieden nicht mehr finden sollte. Im Jahre 1859 veröffentlichte ich meine Schrift ״Hodegetik in die Mischna.“ Eine zelotisehe Ketzerriecherei fiel mit fanatischer Wuth über Werk und Autor her. Beer fühlte sich durch diese, wie er äusserte, noch mehr dem Judenthume als dem Freunde widerfahrene Schmach aufs Tiefste aufgeregt. Er hatte sein Leben der Wissenschaft des Judenthums gewidmet, Forschung war ihm das höchste Gut, dass dasJudenthuni die Forschung nicht zu scheuen brauche, nicht Blindgläubigkeit verlange, war der erhebende und erquiekende Gedanke seines Seins: und nun wird ein wissenschaftl. Eingehen auf die Quellen des Judenth. verketzert! In einem den 25. Januar 1861 ״an alle gesinnungstüchtige Männer in Israel“ erlassenen Aufrufe, ״ihre Missbilligung über ein solches Verfahren unverhohlen erkennen zu geben,“ ruft Beer aus: ״Ihr (der Zeloten) Gebühren, die jtid. Religion im Lichte ״höheren Blödsinns“ darzustellen, führt unmittelbar dahin, die Mehrheit aller intelligenten Israeliten nach und nach dem Judenthume zu entfremden und die künftige Generation einem anderen Glauben zuzuführen. Alle wahrhaft gottesfürchtigen Israeliten müssen daher über eine solche Herabwürdigung des Judenthumes, welche dessen allmälige Auflösung vorbereitet, von tiefster Entrüstung ergriffen sein! Das Schib ölet dieser Partei ״unbedingte blinde Gläubigkeit und Verpönung aller relig.-wissensch. Forschung“ stehet mit demWesen des Judenthums im grellsten Widerspruche!“ ״Die Religion des Judenthums, sagt er an einem anderen Orte, ist eine Lichtreligion; stets zu allen Zeiten hata sie in und mit freier Forschung bestanden und durch dieselbe an Heberzeugungskraft gewonnen.