Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 426 (sequence 22)
- Language
- German
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426 Dr. Bernhard Beer. gung abgelegt hatte, wurde »ach meinem Abgänge auf Beer’s warme Befürwortung zum Oberrabbiner gewählt, und er stand ihm unermüdlich, vorzüglich in Angelegenheiteil der Schule, zur Seite. — Auch nach Leipzig richtete sich sein Blick und er nahm lebhaften Antheil an dem Fortschreiten und Gedeihen der dortigen israelit. Gemeinde*). Eine geistige Erholung gewährte ihm seine Correspondenz mit den ausgezeichnetsten Männern seiner Zeit. Beer hatte das Gelehrten nur selten zu Theil werdende Glück, von Niemandem angefeindet zu werden und die besten und bewährtesten Männer zu seinen Freunden zu zählen. Rapoport, dessen eifriger Bewunderer er war, zollte ihm seine Achtung in hohem Grade; um Zunz, an dem er schon in früher Zeit mit fast kindlicher Pietät hing, und ihn schlang sich ein inniges Freundschaftsband. Zunz kam manchen Sommer auf einige Wochen nach Dresden und lebte in Beer’s Haus, dem diese Zeit die schönste des Jahres war. Auf seiner Heise nach Italien hatte er die Bekanntschaft Luzzatto’s gemacht, mit dem er von da ab in freundschaftlichem Briefwechsel stand; seine mehrmalige Anwesenheit in Paris hatte ihn mit Munk und Albert Cohn persönlich bekannt gemacht, die Bekanntschaft wandelte sich bald in achtungsvolle Freund- *) Die Geschichte der Juden zu Leipzig ist identisch mit der der Juden in Dresden,, nur dass dort ein noch härterer confessioneller Druck waltete. Zn Leipzig lebten au Ende des vorigen Jahrhunderts einige wenige jüdische Familien, denen selbst die Zusammenkunft zu einer PrivatandacLifc nicht gestattet war. Noch zu Anfang des vierten Decenniums dieses Jahrhunderts zählte Leipzig kaum zwanzig jüdische Familien, und der Abgeordnete für Leipzig in der zweiten Kammer, Poppe, ermüdete nicht, bei jeder Gelegenheit seine Stimme gegen die Gewährung irgend eines bürgerl. Rechts an die Juden zu erheben! — Gegenwärtig hat Leipzig mehr als hundert jüd. Familien, sie besitzen politische und bürgerliche Rechte, Männer jüdischen Glaubens sitzen im Btadtverordneten-Collegimn, der Unterschied der Confessionen macht sieh nicht bemerkbar. An der Errichtung ihres schönen Gotteshauses, das durch die hin reissenden Reden des mehrere Jahre als Prediger daselbst fungirenden Dr. A. Jellinek (gegenwärtig Prediger in Wien) in’s Leben gerufen wurde, betheiligten sich mehrere christl. Bürger. Gegenwärtig fungirt zu Leipzig Dr. Goldschmici t, der daselbst einen Mendelssohn Wer ei n stiftete, welchem Beer sich mit lebhafter Theilnähme ahschloss. *