Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 425 (sequence 21)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. - 425 Bin schmerzliches Ereigniss versetzte im August 1854 Sachsen in Trauer: König Friedrich August endete sein Leben durch einen Sturz vom Wagen. Die allgemeine Trauer wurde von der Gemeinde tief mitempfunden, die mit dem innigsten Dankgefühle an dem Könige hing, der das Ende ihrer Leiden herbeigeführt hatte. — Der gegenwärtig regierende König Johann bestieg den Thron. An diese Thronbesteigung knüpft sich ein Zug hochherziger Duldsamkeit, der in der Geschichte der Juden Sachsens nicht mit Stillschweigen übergangen werden darf. Die Gemeinde zu Dresden befand sich beim Eintreffen der Trauerkunde ohne religiöses Oberhaupt: ich hatte um diese Zeit, dem an mich ergangenen Rufe als Director des jüdisch - theologischen Seminars zu Breslau Folge gebend, Gemeinde und Freund mit den schmerzlichsten Gefühlen verlassen. Der erste Hofprediger, Dr. Käuffer, begab sich zum König und richtete an ihn die Worte: ״Ich bringe Ew. Majestät die Condolenz der evangelischen Geistlichkeit des Landes und die meines abwesenden Collegen Dr. Frankel dar, und empfehle der Gnade und dem Gerechtigkeitssinn Ew. Majestät die von uns vertretenen Gemeinden.“ Der König erwiderte: ״Ich werde suchen den Thron mit der Liebe und Huld zu umgeben, die die Wege meines Bruders bezeiehneten. Alle Unterthanen ohne Unterschied der Confession werden meinem Herzen gleich nahe stehen.“ Wahrhaft königliche Worte, die, wie die oben mitgetheilten Berichte zeigten, der hohe Fürst schon vor seiner Thronbesteigung zur Wahrheit gemacht hatte; aber auch welcher wahrhafte Gottesmann, dessen erster Gedanke, Vertretung des Rechts einer anderen Confession! Der Kampf nach aussen konnte als völlig beendet angesehen werden; Beer lebte nun ganz den Wissenschaften und der Gemeinde. Hier widmete er sich der Anstalt, zu der ihn sein kindliches Gemüth zog: der Schule. Der frühere Oberlehrer Dr. W. Landau, ein theologisch und klassisch feingebildeter Mann, der bisher die redlichste Sorgfalt auf die Jugend verwendet und in mehreren geistreichen Aufsätzen Proben seiner wissenschaftlichen Befähi-