Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 20)
- Language
- German
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424 Dr. Bei’nhard Beer. ehern.“ In ähnlichem Sinne sprach der auf v. Friesen folgende Minister des Innern, Herr v. B e u s t. Die Juden Sachsens erfreuen sich nun vollkommener bürgerlicher und politischer Gleichstellung (sind also nicht, wie mitunter irrthümlich gewähnt wird, nur auf Dresden und Leipzig beschränkt), der staatlichen Anerkennung ihres Cultus und ihrer Schule, und der Subventionirung beider durch den Staat, gleich Cultus und Schule anderer Confessionen׳“"). Auch hat die ihnen früher feindliche Gesinnung einer besseren Ansicht Platz gemacht: die Furcht vor Verarmung Sachsens, wenn den Juden Handel und Gewerbe freigegeben würden, hat sich als Schreckgespenst erwiesen, endlich sind auch durch die in Sachsen eingeführte Gewerbefreiheit Zünfte und Innungen, diese hartnäckigen Gegner jedes rechtlichen Fortschrittes, zu Grabe getragen worden. Der wiedererlangten Gleichstellung im Jahre■ 18.51 folgte ein anderes freudiges Ereigniss: Beer, der sich ,erholt hatte, wurde der Gemeinde wiedergegeben. Eine einstimmige Wahl berief ihn an die Spitze der Gemeinde, und er konnte, obschon noch nicht ganz körperlich gekräftigt, dem Rufe nicht widerstehen. Beer und Schic, sie standen nun als Hort der Gemeinde und wachten mit unverwandten! Auge nach innen und aussen: sie förderten Cultus und Schule*) **) und wehrten jedem Eingriffe in die durch die Verfassung verbürgte Gleichstellung***). *)Es wurde früher der Anerkennung gedacht, welcher die Schule von Seite der Regierung sich zu erfreuen hatte; hier sei noch ein die Schule betreffendes Factum erwähnt, das von einem seltenen, vollendeten Humanitätssinn zeugt. Ein zu Dresden im Jahre 1848 verstorden er Bürger evang. Confession, Hamens Seiss, vermachte in seinem Testamente der israelit. Schule ein Legat von 500 Thalern. **) Die Sorgfalt für die Synagoge theilte mit ihnen Herr L. Wal- 1 erstein, der seit fast einem Vierteljahrhundert der Synagoge mit rastlosem Eifer vorstehet. *'**) Als einst der Stadtrath zu Schandau Juden den Aufenthalt das. . unter dem Vorgehen verweigern wollte, die Juden seien auf Dresden und Leipzig beschränkt, brachten Beer und Schie die Angelegenheit zur Kenntniss des Ministeriums, und der Stadtrath wurde eines Besseren belehrt. — Auf ähnliche Weise wurde bei einer anderen Gelegenheit der Stadtrath zu Borna von einem derartigen Irrthum geheilt. -