Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 422 (sequence 18)
- Language
- German
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422 Dr. Bernhard Beer. öffentlichen Sitzung der ״demokratische“ Abgeordnete aus Kamen 2! (der Vaterstadt L es sing’s!) und beantragte einen Zusatz, wonach der Aufenthalt der Juden auf Dresden und Leipzig beschränkt bleiben soll. Vergebens erhob sich der Minister des Innern, v. Friesen, gegen den Antrag; er wurde mit bedeutender Majorität angenommen. — Also schon am Ziele angelangt und wieder zurückgeworfen, nach der kurzen Freude des Besitzes die traurigste Enttäuschung! Welche Hoffnung konnte man noch hegen? Die erste Kammer entschieden feindlich, die zweite Kammer hatte die Gleichstellung zurückgewiesen: so war nun der Kampf für Emancipation wieder durch Generationen durchzumachen! Doch die Wege der Vorsehung sind verborgen: durch die erste Kammer wurde die Gleichstellung ausgesprochen! — Die Vorlage ging an die erste Kammer zur Berathung zurück: hier bildeten sich zwei Meinungen, die Minorität trat dem Beschlüsse der zweiten Kammer bei, die Majorität ging über ihn hinaus und wollte die Wiederherstellung des Judengesetzes vom Jahre 1838. Als die Angelegenheit in öffentlicher Sitzung zur Debatte kam, erhob sich der auf die Kammer grossen Einfluss übende General-Lieutenant v. Nostiz- Wallwitz, der wegen seines hohen Alters selten den Sitzungen beiwohnend, diesen Tag in die Kammer gekommen war, mit kräftigen Worten für die Gleichstellung der Juden. ״Die Juden haben in deutschen Armeen mit Anerkennung gedient, haben ihr Blut für das Vaterland verspritzt, und da wolle man ihnen die politischen Rechte entziehen? Nimmer werde er einem solchen Votum seine Zustimmung geben!“ Ihm schloss sich mit Wärme der Kreisdirector v. Biedermann an. Es entspann sich nun eine lebhafte Debatte; da erhob sich endlich der Minister des Innern in einer von einem deutschen Ministertische in Angelegenheit der Gleichstellung der Juden kaum je gehörten Rede, widerlegte alle gegen die Emancipation vorgebrachten alten und neuen Einwürfe, stellte die Schmälerung der den Juden ertheilten Rechte nicht nur als ungerecht und unmenschlich, sondern auch als unpolitisch und unausführbar dar, und schloss,damit, ״die Regierung müsse