Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 416 (sequence 12)
- Language
- German
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416 Di־. Bernhard Beer. schreiben, Licht in eine der dunkelsten. Partien der Hagada gebracht zu haben. Wir kehren nun wieder auf das politische Gebiet, zu der mit der practischen Thätigkeit Beer’s so tief verwebteri Geschichte der Juden Sachsens, zurück. Wir verliessen die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in einem stagnirenden Zustande, aus dem sie zu erlösen weder Staatsregierung noch Kammern den ernstlichen Willen zeigten. Da brach das Jahr 1848 mit seinem Throne und Verfassüngen erschütternden und stürzenden Sturme an. Auch in Sachsen machte sich diese Erschütterung fühlbar: es wurde in Vereinen und Versammlungen laut die allgemeine Unzufriedenheit unifc der bisherigen Regierung ausgesprochen. Das vormärzliche Ministerium fiel-, an seine Stelle trat das volksthümliche Ministerium Braun. Die Juden hofften, dass die allenthalben sich kundgebende Begeisterung für Freiheit auch ihre Fesseln brechen und ihnen Gleichstellung bringen werde. Es erschien in Dresden ein ״Die israelit. Bürger und Einwohner Sachsens“ Unterzeichneter Aufruf, der mit den Worten begann: ״An unsere christlichen Mitbürger und Miteinwohner in Sachsen! Die Erschütterung, welche von Westen her sich über alle Theile des gebildeten Europa’s fortpflanzt, aufrufend zur Freiheit und selbstständiger Gestaltung, bewegt auch uns, die israelitischen Bürger und Einwohner Sachsens. Auch wir nehmen T11 eil, lebhaften Antheil an dem Kampf um die heiligsten Güter des Menschen, denn wir fühlen uns vor Allem, mit nicht minderem Enthusiasmus denn unsere christlichen Brüder, als Deutsche und als Sachsen. Wir nehmen Theil an dem friedlichen Kampf auf gesetzlichem Wege, wie unzählige Israeliten im Jahre 1813 ihr Leben für die Befreiung Deutschlands vom Joche der Fremdherrschaft eingesetzt haben. Aber wir bitten und verlangen nicht allein von den Regierungen, wir bitten und fordern auch unser gutes Recht von Euch, unseren christlichen Brüdern, von dem sächsischen Volke. Ihr könnt nicht frei sein nach oben, wenn Ihr es nicht auch nach unten seid. Man kann nicht die Freiheit be-