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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 11 · p. Seite 411

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 11
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 411 (sequence 7)
Language
German
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411 Dr. Bernhard Beer. etwaigen Tadels nicht in der Gehaltlosigkeit seiner Schrift, sondern in einer dem Beurtheiler imputirten Parteilichkeit suchte und fand, so dass Beer für seine mühselige Arbeit häufig nur Verdruss erntete. Wir finden von hier aus den natürlichen Uebergang zu einer anderen bedeutsamen literarischen Thätigkeit Beer’s. Beer verband mit ordnendem, das Mannigfache zur Einheit gestaltendem Geiste ein tiefes, poetisches Gemüth, in welchem die dichterischen Gestalten der jüdisehen Sagenwelt — Hagada — einen lebendigen Reflex fanden. Die mannigfach umhergeworfenen und zerstreuten, an eine biblische Person anknüpfenden Sagen und Bilder zu einem Ganzen zu vereinigen, hatte Beer, nach den von ihm in dem Vorworte zum ״Leben Abraham’s“ ausgesprochenen Zwecken, sich, wir möchten sagen, zur religiösen Aufgabe gemacht. ״Wie mannigfach die Bestandtheile sind,“ lässt er sich in dem Vorworte zum ״Leben Abraham’s“ vernehmen, ״aus denen der jüdische Sagen-Complex zusammengesetzt ist, so haben sie doch die gemeinsame Eigenschaft, Dunkles in Geschichte und Tradition der Vorzeit aufzuklären, Unvollständiges zu erganzen und Widersprechendes zu lösen. Wird man hierbei gewahr, dass allerdings zuweilen Schattenseiten־ in Lichtbilder sich verwandelt haben, so verfloss aber auch wieder mancher Glorienschein! Individualitäten wurden um ihrer selbst willen weder erhöhet noch erniedrigt. Hebung des religiös-nationalen Bewusstseins und Verbenlichung der Dasselbe durchdringenden reineren Gottesidee ist der Kernpunkt der aus den innersten Tiefen des Gemüths hervorquellenden und mit den Erzeugnissen einer üppigen Phantasie ausgestatteten jüdischen Sagendichtung. In naiver Unbefangenheit nimmt sie hier Charaktere und, Begebenheiten aus der jüngsten Vergangenheit und versetzt sie in die Tage der Vor weit• überträgt dort That- Sachen und Ereignisse aus alter Zeit auf spätere Zustände und Persönlichkeiten. Hierbei tritt keine andere Absicht hervor, als, die Person oder den Gegenstand durch eingewebte Darstellungen nach der herrschenden Zeitrichtung

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