Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 5)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 409 durch Maimomdes’ Schriften begeistert, reichen noch bis in’s 17. und in den Anfang des 18. Jahrhunderts herab. — 8) Vermittelungssysteme zwischen maimonidischer Philosophie und Glauben, ־wobei aber letzterer als Grund- und Schlussstein hingestellt ist. (Schon von Hai Gaon und Jehuda halevi angebahnt, von Nachmanides in den nichtkabbalistischen Theilen seiner Schriften geistvoll angewendet; später, nach Vertreibung der Juden aus Spanien, von eminenten Geistern besonders häufig durchgeführt. Die philosophische Füllung ־ward jedoch bei zunehmendem Druck immer dünner, zuweilen .bestand sie nur nominell, um denkende Köpfe nicht abzustossen, bis endlich diese Richtung, insofern sie nicht nur kabbalistisehe Ingredienzien aufnahm, ganz in unbedingten Glauben und Heiligung alles Herkömmlichen überging.) — 9) Neuere Kabbala, wie sie sich seit dem 16. Jahrhundert durch J. Doria und seine Schüler stereotypisirt. Während die Eingeweiheteren über ihren tieferen Sinn sich nicht einigten, kannte das Volk nur ihr Aeusserliches. Verfall durch Sectenspaltung, Amuletten- Aberglaube und allerlei Missbrauche. — Als Gegensatz und mit anfänglicher Begünstigung vieler denkenden Manner der achten und mancher Heberreste der siebenten Gruppe traten nun 10) die philosophischen und reformatorischen Bestrebungen im Judenthume seit Mendelssohn hervor. Universalismus, vorerst allerdings mit dem aufrichtig gemeinten Zweck und Plane, den Kern der alten Religion wieder mehr zu Tage zu fördern; tlieilweise war aber hierbei das Judenthum nicht eigentlich Ziel, sondern vielmehr blos Ausgangspunkt, als Negirung gewisser dogmatischer Lehrsätze Anderer. — Aus dieser für die Hebergangsperiode nothwendigen Gruppirung windet sich nun, durch die historischen und literarischen Forschungen geist- und gemüthreicher Männer vorbereitet und zum Bewusstsein gebracht, für die Zukunft heraus 11) die universelle aber doch positiv-jüdische Anschauung, welche im Judenthume keine negirende, andere Bekenntnisse auflösende Mission siehet, sondern dasselbe vielmehr als Selbstzweck, von der Vorsehung beson-