Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- [Rezension] / K.
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 399 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen und Anzeigend 399 gemeine historische Gesetze festzustellen und die constanteri von den variablen Factoren in der Geschichte zu unterscheiden.“ Wie beim Anatomen (Sprenger ist, beiläufig gesagt, zugleich Arzt, was jedem Leser in dem Capitel, das die Krankheitsgeschichte Mohammad’s an der Hand medicinischer Autoritäten, wie Schönlein, Joh. Müller u. And. erörtert, sofort klar wird) unter dem wissenschaftlichen Interesse alle Gefühle schweigen und er nur einen Gegenstand des Forschens'im Leichnam sieht, so auch verschwinden Hass und Liebe für historische Personlichkeiten, wenn wir einen höheren Zweck im Auge haben. Der Verfasser geht nun zu den Theorien über, die bisher über Moh. aufgestellt wurden. Muir hielt ihn für ein Werkzeug des Teufels, was der Verfasser mit seinem — an einem deutschen Orientalisten gewiss seltenen — das ganze Buch frisch durchwehenden Humor vom christlich-orthodoxen Standpunkte aus nur billig findet, ״denn glaubt man einmal an einen Teufel und Verführ er, so muss inan ihm doch auch Beschäftigung zutheilen.“ Carlyle mit seinem Heroen - Cultus hält ihn für einen Heros. ״Die Resultate meiner Forschungen haben die Ueberzeugung, dass der Islam nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus den Bedürfnissen der Zeit entsprungen ist, bestätigt, und ich habe mich bemüht, zu beweisen, dass Moh. weder ein Werkzeug des Teufels, noch ein Heros gewesen. Wenn ich bei jeder Gelegenbeit auf seine menschlichen Schwächen aufmerksam mache, so geschieht es nicht aus Liebe für eine Theorie. Wir haben keine Nachrichten über ihn, als die von seinen Verehrern; wenn also unser Held nicht zum schattenlosen Schlemihl werden soll, so muss der Biograph die gehässige Rolle des advoealus diaboli übernehmen und die Schattenseiten seines Charakters aus ihren Lobreden herausklauben.“ Die Biographie Moh.'s hat sehon zu Anfang des zweiten Jahrhunderts, noch ehe sie im Zusammenhaage aufgeschrieben wurde, einen dogmatischen Charakter angenommen. Europäische Schriftsteller haben sich bisher begniigt, die dogmatische Biographie in nüchterner Auffassung, aber ohne weitere Forschungen, wiederzugehen. Spr. sucht hingegen genau nach Geologenart, diese Kruste zu durchbrechen, ״Das Traditionswesen der Moslime setzt uns nämlich in den Stand, die Nachrichten bis zu einer Zeit zu verfolgen, wo, wenn die