Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 388 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Dr. Bernhard Beer. nomraen, dass die Meinung* der im Talmud sieh kundgebendeii Majorität in der Regel praetisch norarirend sei; doctrineller Widerspruch gegen Ansichten auch der frühesten Lehrer ist hingegen auch heutzutage selbst im orthodoxen Judenthume־ unverwehrt.) Dass die Worte Christi: ״die Liebe ist des Gesetzes Erfüllang, der Menschensohn ist Herr des Kahbatsim Judenthume wurzeln, ist bereits oben nachgewiesen worden. —י Die Lehre, ״dass es nicht auf die äussere Abstammung von Abraharn ankomme, sondern auf die innere, auf die That der Liebe,1" befindet sich ebenfalls bereits in den Schriften der alten jiidisehen Propheten, vgl, Jes. 56, 3 ff. 66, 21. So wird auch im Talmud gelehrt (Chagiga 15b): ״Es heisst (Mal. 2), ״״die Lippen des Priesters mögen Erkenntnis8 hüten, man suche Lehre aus seinem Munde, denn er ist ein Engel des Herrn Zebaot."" Dies will sagen, wenn der Lehrer dem Engel Gottes gleicht (in Reinheit und Liebe dastehet), dann blos suche man Lehre aus seinem Munde!" Ferner R. Meir lehrte, wie schon angeführt, ״ein Heide, der den göttlichen Geboten obliegt, ist dem Hohen- Priester gleich zu achten." An einer anderen Stelle (Mischna Horajot Cap. 3): ״Ein Bastard, wenn er ein Jünger der Weisen ist, so ziehe man ihn dem Hohenpriester vor." Nun bleibt mir nur noch ein Satz zu berühren, worauf ich schon oben hindeutete. — Sie sagen: ״Nach dem jüdischen Gesetze bestand eine abgeschlossene Priesterkaste, der die kirchliehe Verrichtung und die Lehre allein zustand. Christus hebt diese Unterschiede auf und lehrt: ״Ihr sollt Brüder sein," und Petrus sagt: ״Ihr seid ein priest erlich Volk." Vorerst hätten Sie wissen müssen, dass diese letzteren Worte nicht erst Petrus sagt, sondern dass das zweite Buch Mosis solche schon enthält. Wenn Sie also glauben, dass erst Petrus mit diesen Worten (1. Petr. 2, 9) den Unterschied unter den Bekennern Gottes aufgehoben und ein geistliches Priesterthum eingeführt habe, indem er die ganze Christenheit, insofern sie im Glauben an Christo wandelt (das. V. 5 und 7) ein ״priest erlich Reich" (ßaallsiov Isgatsviicc) nennt, so hat dies schon Moses gethan, und nicht etwa ein gewisses Glaubensbekenntnisse sondern blos den ״heiligen Wandel" an dieses geistige Priesterthum geknüpft.