Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 387 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bernhard Beer. 387 täglichen Gebets; gross ist die Erkenntniss, sie wird Gott als Attribut zwischen zwei seiner Bezeichnungen beigelegt, denn so heisst es (1. Sam. 2): ״ein Gott der Erkenntniss ist der Ewigeein Mensch, der Erkenntniss hat, ist soviel, als wenn der Tempel zu seiner Zeit erbauet worden wäre," dies will 8ageh, wie die bewährtesten Commentatoren (R. Salomo b. Adrat) hinzufugen, ״dass der Mensch nicht etwa durch blinden Glauben und todte Beobachtung der göttlichen Gebote sichern Verdienst erwerbe, sondern die Erkenntniss vom Wesen Gottes und der göttlichen Eigenschaften ihn erst fähig mache, die Religionsp flicht eh wahrhaft zu üben, darum ist eine solche Erke-antniss wichtiger, als selbst der Tempel Gottes, denn letzterer sollte nur als Mittel zur wahren Gottesverehrung dienen.“ So erklärt auch Maimuni zu Anfang seines Hauptwerks, welches den״ ganzen Religionscomplexus der Juden zusammenfasst, dass ״Gott erkennen der Grund aller Grundlagen und die Säule aller Wissenschaften sei." Unter dem Worte ״Glauben" (Emuna) wird in den talmudischen Schriften jedesmal Vertrauen, lebendiger, zu versichtlicher Glaube an die Allgüte Gottes, welche euch aus der höchsten Noth erretten wird (vgl. Tr. Sota 41b), oder an die Wahrheiten göttlicher Verheissungen (Pesaehim 118b), ingleichen an die Ueberlieferung der Väter, nirgend aber todter, blinder Glaube verstanden, und nirgend ist die Folge der Seligkeit daran geknüpft, wie etwa in den christlichen Urkunden, wo gesagt wird: ״Selig sind, die nicht sehen und doch glauben" (Ev. Joh. 20, 19). — Das Judenthum hat darum auch nie besondere Glaubensartikel dogmatisch festgesetzt; gewisse Lebren sind zwar von manchen Lehrern als Hauptgrundsätze der Religion aufgestellt worden, dies geschah aber blos, um grössere Klarheit der Erkenntniss zu bewirken, nicht etwa ein Symbolum festzusetzen. Auch für die von den früheren Lehrern interpretirteh Satzungen ward nicht blinde Annahme erheischt, sondern es waren gewisse Interpretationsregeln der heil. Schrift festgestellt; fand sich ein Lehrer nach diesen Regeln zu einer abweichenden Ansicht veranlasst, so konnte er seine Meinung darüber unverliolen aussprechen, wenn solche auch der früher recipirten Ansicht widersprach. — (Erst später ward, um Anarchie in Ausübung der ReligionsSatzungen vorzubeugen, ange-