Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 386 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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386 Dr. Bernhard Beer. wenn aber der Tempel nicht bestehet, so hat der, welcher demüthig'en Sinnes ist, so viel Lohn, als hätte er alle Opfer der Welt dargebracht.“ — Ebenso heisst es (Berachot 32b): ״Gehet ist besser als alle Opfer." Menachot 110a: ״Wer mit der göttlichen Lehre sich beschäftigt, für den bedürfe es weder Ganz-, noch Sünden-, noch Schuldopfer." — Zur Zeit, als der Tempel stand, befahl aber auch Jesus (Matth. 8, 4), dass der Aussätzige Opfer im Tempel darbringen solle! Sie sagen (8. 14): ״Das Judenthum fordert blinde Annahme der Glaubens Satzungen, todten Glauben, Christus aber sagt: Das ist das ewige Lehen, dass sie dich, den wahren Gott, und den du gesandt hast, erkennen." — Mir scheint, dieser Satz ist vielmehr umzukehren; das Judenthum lehrte nie blinden, tod^ ten Glauben. Moses sagt ausdrücklich (Deuter. 4, 39): ״Erkenne heute und nehme wohl zu Herzen, dass der Ewige Gott ist, im Himmel droben und auf der Erde hier unten, keiner sonst;" (ib. 6, 4) ״Höre, Israel, der Ewige unser Gott ist ein einiges, ewiges Wesen," nirgend aber ״glaube" etc. David ermahnt den Salomo (1. Chr. 28, 9): ״Erkenne den Gott deines Vaters und diene ihm mit ganzem Herzen und williger Seele, denn alle Herzen erforscht der Ewige, und alles Gebilde der Gedanken verstehet er; wenn du ihn aufsuchst, wird er sich finden lassen" etc.; also wieder nur lebendiges Erkennen und thätiger Wandel. Spr. Sal. 3, 6 heisst es: ״Auf allen deinen Wegen erkenne ihn (Gott), und er wird deine Pfade ebnen." In diesem Geiste ruft Jeremias aus (9, 23): ״Dess rühme sich, wer sich etwa rühmen mag, einzusehen und mich zu erkennen, dass ich, der Ewige, Liebe, Recht und Gerechtigkeit übe auf Erden, dass ich daran Wohlgefallen habe, spricht der Ewige." Ferner (22, 16): ״Er sprach Recht für den Armen und Dürftigen, das war gut; dies ist Erkennntniss Gottes." — Hosea ß, 3 lehrt: ״Lasset uns Acht haben und. trachten, den Ewigen zu erkennen" etc. und fährt fort (das. 6): ״Erkenntniss Gottes ist besser, denn Ganzopfer." — Wo ist hier von todtem Glauben die Rede? — Auch das talmudische Judenthum weist einen solchen zurück. So heisst es (Tr. Berachot 33a und Sanhedrin 92a) in der talmudischen Redeweise: ״Gross ist die Erkenntniss, darum erbittet man sie zu Anfang des