Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 385 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bernhard Beer. 385 Ausspruch Jesu thun (Matth. 15, 26): ״dass es nicht fein sei, dass man den Kindern (den Juden) ihr Brot nehme und es den Hunden (den Heiden) vorwerfe?“ Wahrlich, der Unterschied zwischen Juden und Nicht] uden ist, wenn er auch nach der oben gerechtfertigten Anschauung des Alten Testamentes Vorkommen musste, doch nirgend in so starken Ausdrücken aufgetragen, als in dieser Stelle des Neuen Testaments! Der Ausspruch Jesu: ״das Himmelreich ist in Euch selbst,“ ist kein Widerspruch des Judenthums, sondern vielmehr blos eine Wiederholung der Worte Deut. 30, 17—14: ״Denn dies Gehot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht verborgen und nicht fern; nicht im Himmel u. s. w., nicht jenseits des Meeres u. 8. w., sondern sehr nahe ist dir die Sache, in deinem Munde und in deinem Herzen es zu thun.“ Dass ״Gott Vater aller Menschen sei,“ lehrt schon die Schöpfungsgeschichte im ersten Buche Mosis. — Die von Ihnen angeführte Stelle, dass die Zeit kommen werde, ״wo Gott weder zu Jerusalem, noch auf dem Berge Garisim, sondern überall angebetet sein werde,“ ist nur ein Nachhall der alttestamentlichen Stellen, Exod. 20, 21: ״an jeglichem Orte, wo ich meinen Namen werde nennen lassen, werde ich zu dir kommen und dich segnen,“ ingleiehen Zef. 3, 9. Zach. 14, 9. Mal. 1, 17, wo die allgemeine Menschenverbrüderung zur Anbetung eines einzigen Gottes wohl nicht kräftiger und deutlicher verkündet werden kann. — Dass die Worte Paulus5: ״jetzt gibt es keine Knechte mehr, sondern alle sind Kinder Gottes,“ nicht gegen das Judenthum, sondern gegen das Heidentlium gerichtet waren, wurde schon oben hervorgehoben. Dass aber das Judenthum nicht äussere Opfergaben forderte, lehren unter Anderem die Stellen: 1. Sam. 15, 22. Jes. 1, 11 etc. Jer. 7, 22. Idos. 6, 6. Micha 6, 7. 8. Ps. 30, 7. 50, 9 etc. 51, 19. —^ Schon der alte vortalmudisehe Midrasch (Torat Cohanim) lehrt zu Lev. 1,2: ״Es heisst: ״״wenn Jemand von euch ein Opfer darbringt,““ dies ist keine Anordnung, Opfer zu bringen, sondern blos eine Zulassung“ (als Accomodation an die damaligen Zeitideen, wie bereits oben angeführt wurde). Der Talmud gehet überall von demselben Principe aus; ich führe Beispiels halber nur folgende Stellen an: (Tr. Sota 5b, Sanhedr. 43b) ״Als der Tempel stand, brachte man/zwar Opfer,