Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-10-01 · Heft 10 (Oktober 1862) · p. Seite 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 10 (Oktober 1862)
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-10-01
Page
Seite 384 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829287-2859042--07181-2859101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

384 Dr. Bernhard Beer. Umstand der Lebensgefahr für seine Jünger in Anspruch nehmen, da sie wahrscheinlich im Heisshunger sich befanden, weldies Jeder aber nur selbst ermessen könne, daher die Pharisäer nicht darüber urtheilen möchten. Dies besagt namentlich der Mark. 2, 27 befindliche Zusatz: ״der Sabbat ist um des Menschen willen, der Mensch aber nicht des Sabbats willen da;“ ein Spruch, der schon in jenem vortalmudischen Midrasch, der Mechilta (zu Exod. 31, 14) vorkommt, um anzugeben, dass der Mensch sich nicht da knechtisch an die Sabbatsgesetze halten solle, wo ihm gesetzlich eine Ausnahme zu statten komme. Ob ״für sich allein und in seiner Abgeschlossenheit das Judenthum nicht im Stande gewesen wäre, sich zu reformiren, wenn die starre Form des Judentliums nicht gelöst worden wäre durch die grosse griechische Bildung,“ wie Sie weiter sagen, dies lässt sich wohl nicht mit der Entschiedenheit behaupten, wie Sie es aufstellen. Die herrlichen, auf eine aus dem Schosse des Judenthums hervorgehende reinere Erkenntniss und Versittlichung aller Völker der Erde hindeutenden Stellen der Propheten rühren von Männern her, welche von griechischer Bildung noch nichts wussten! Es scheint also vielmehr das Gegentheil, dass ohne griechisehe Bildung und die dadurch in die Auffassung der jüdischen Religion hineingekommenen mystisch-allegorischen Eiemente, die allgemeine Verbreitung reinerer Erkenntniss und wahrer Sittlichkeit und Anerkennung allgemeiner Menschenrechte nicht noch fast zweitausend Jahre hätte auf sich warten lassen müssen. Ich habe nun noch auf die, Seite 13 u. 8. w. Ihrer Schrift befindlichen Aeusserungen in Kürze zu .entgegnen. Sie sagen, dass die Hauptgrundsätze, welche Jesus aufstellte, im geraden Widerspruche zu den Lehren des Judenthums stünden und sie auf heben. — Dass im Judenthume nicht die Welt und der Mensch Gott gegenüberstehen, in dem Sinne, wie es in Ihrer Schrift angenommen ist, wurde bereits oben auseinandergesetzt, auch die Ansicht bekämpft, dass ״Jehova blos Gott für Israel sei“ (8. 16) und ״den Juden irgend eine specifische Bevorzugung vor anderen Völkern zukomme.“ Genügt Ihnen aber jene Widerlegung nicht, so frage ich, was Sie mit dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.