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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-10-01 · Heft 10 (Oktober 1862) · p. Seite 383

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 10 (Oktober 1862)
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-10-01
Page
Seite 383 (sequence 19)
Language
German
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IRI
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383 Dr. Bernhard Beer. des Nächsten begriffen werde, welche als ein moralischer Mord eben so sträflich sei, Wenn es Matth. 15, 11 heisst: ״nicht was durch den Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Munde herauskommt u. 8. w.," so ist daselbst nicht von Auf he״ bang eines ״Speisegesetzes“ (welches ja der Apostel Petrus nach eigener Aussage, Apostelgesch. 10; 14 noch streng beobachtete), auch nicht einmal des rabbinischen Brauches, die Hände vor der Mahlzeit zu .־waschen, die Rede, sondern es ist blos eine Ermahnung, auf diese Satzungen nicht etwa zu viel Gewicht zu legen und die Moralgesetze deshalb zu vernachlässigen, analog dem,- was׳ von einem alten Propheten (des. 58, 3 u. 8. w.) hin־״ sichtlich des Fastens noch deutlicher, ausgesprochen wird, und wie dies auch in den talmudisehen Schriften an mehreren Orten geschiehet, z. B. Tr. Maccot-zu Ende, wo gelehrt wird, dass1 die sämmtlichen mosaischen Gebote und Verbote von David auf die in Ps. 15 enthaltenen 11 Moralgehote reducirt worden seien; Jesaias habe (des. 33, 15) solche in sechs sittliche Hauptsätze,־ Micha (Micha 6, 8) in drei Grundlehren, endlich Arnos (Arnos- 5; 5) und Habakuk (Hab. 2, 4) in einen Hauptsatz, (lebendiges• Gottvertrauen), zusammengefasst. Äehnliche Aussprüche, dass üble Reden, Veiiäümdüngen wohl den Mund weit mehr verunreinigen, als der Genuss selbst mosaisch verbotener Speisen, befinden sich auch in den ältrab׳״ binischen Schriften (so* z. B. Tr. Sabbat 33b und den Cominent. Raschi• das.), und gründet sich darauf die noch heute in der Synagoge am Versöhnungstage übliche Formel im Sündenbe-• kenntnisse: ״vergieb uns die Sünde, die wir begangen haben1 durch Verunreinigung der Lippen, d. h. durch böse Reden;“ Dass die Matth. 12erwähnten Sabbatsübertretungen eben׳״ falls keine ״Aufhebung des mosaischen Gerernonia'lgesetzes“ sein sollten , beweist schon das von Jesus (V. 3 u. s. w.) angeführte Beispiel David’s. David dächte aber durchaus nicht an eine Aufhebung des Verbotes für Nichtpriester, das Schaubrot nicht׳ im Heiligthume zu geniessen, sondern ass es blos, weil er in Lebensgefahr sich befand. Unter diesen Umständen tritt auch nach den rabbinischen Grundsätzen das mosaische Gesetz (mit Ausnahme der Cäpitalverbrechen, Götzendienst, Mord und Ehebrach) allenthalben zurück. Jesus wollte liier auch nur diesen י29

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