Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 382 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Dr. Bernhard Beer. wollten; Christus aber sei nicht blos Bussprediger gewesen, kämpfte nicht blos gegen einzelne Missbrauche, sondern legte die Hand an die Wurzel des Judenthums, hob die alten Satzungen (das Gesetz) auf u< 8. w." Wer die Schriften der alttestamentlichen. Propheten wahrhaft unbefangen ansieht, kann nun aber durchaus den von Ihnen hier aufgestellten Unterschied nicht finden; im Gegentheile lässt sich behaupten, dass erstere zuweilen energischer und jedenfalls hinsichtlich des ihnen yorschwebenden Zweckes klarer sich aussprachen, als der Stifter des Christenthuines, weshalb sie auch bei der jüdischen Stammgenossenschaft (für welche sie ja nur zu wirken beabsichtigten) auf Jahrtausende hin noch wirksam sind. Die alten Glaubenssatzungen oder ״das Gesetz" Hess sogar Christus fast mit noch weniger wegzudeutenden Worten für die Juden bestehen, als die alten Propheten. Jesus sagt ja. ausdrücklich (Ev. Matth. 5,17 u. 8. w.): ״Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen hin, das Gesetz oder die Prophete 11 ^ufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulosen, sondern zu. erfüllen (d. h. dass das Gesetz seinem Geiste und seinem Buchstaben nach, gehörig und vollständig aus geführt werde). Denn ich sage euch wahrlich, bis dass Himmel und. Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis dass Alles geschehe. Wer nun eins auch von die-, sen kleinsten Geboten auflöst und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heissen im Himmelreiche. Wer es aber thut; und lehret, der wird Gross heissen im Himmelreiche." Es ist bereits von kritischen Schriftstellern dargethan werden, dass die Ausdrücke Matth. 5, 21. 27. 31. 33. 38. 43 durchs aus keine Abschaffung des alten Gesetzes in sich schliessen, sondern gleichsam nur einen ethischen Commentar oder eine Amplification des Gesetzes bilden sollten, wie dies im Brauche des altrabbimschen sogenannten Midrasch war,, wo an entsprechende Bibel- oder andere alte Sprüche moralische Lehren angeknüpft und dann in der Weise, wie in der Bergpredigt geschiebet, ausgeführt wurden, so dass der alte Spruch nicht blos im engeren Wortsinne, wie z. B. du sollst nicht tödten, genona.- men werden dürfe, sondern hierunter auch jede Ehrenantastung