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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-10-01 · Heft 10 (Oktober 1862) · p. Seite 381

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 10 (Oktober 1862)
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-10-01
Page
Seite 381 (sequence 17)
Language
German
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IRI
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Dr. Bernhard Beer. 381 gesetzes ist Zweck der Schöpfung. — Alle Menschen sind herufen, zur Verwirklichung׳ dieses Zweckes nach Kräften beizutragen, und gelangen zur Seligkeit nach dem Verhältniss ihrer irdischen Thätigkeit für Erreichung dieses Zieles. Die Weisheit Gottes (von welcher man annahm, dass selbe wohl erwog, wie die meisten damaligen Völker noch aller sittliehen Grundlage entbehrten) wollte, dass ein Volk hierin den Völkern als Wegweiser diene, um die Gesammtheit der Nationen zur Erfassung jener erhabenen Wahrheiten und Lehren heranzubilden. Für dieses Volk wurden daher specielle Pflichten vorgeschrieben, um, durch stete Hebung in der Beobachtung göttlieber Gebote, dessen Sinn zu läutern und für das Höhere empfänglich zu erhalten, und so ward ihm das Loos zu Theil, durch das geoffenbarte Gesetz Licht und Recht unter den Völkern zu erhalten. Nicht■ Palästina, nicht der Tempel zu Jerusalem, nicht die davidschc Dynastie sind Wesen oder Zweck der Erwählung (vgl. Mechilta und Jalkut Schim. zu Deut. 33, 4), sondern das göttliche Gesetz. Dieses Gesetz wird aber nur dann gehörig beobachtet, wenn es mit dem Herzen geschieht und wenn man den Schöpfer stets dabei anerkennt und in seinen Wegen wandelt, nicht aber, wenn nian es wie eine abgelebte formelle Vorschrift betrachtet (Sifre zu Deut. 6, 6). Obgleich die Offenbarung an das israelitische Volk statthatte, sind doch alle Völker, alle Menschen, welche die Gen. 9, 5 enthaltenen uoachidischen Naturgebote befolgen, nicht nur den Israeliten, sondern sogar dem Hohenpriester in Israel gleich zu achten und haben gerechten Lohn für ihre guten Handlungen zu erwarten. Nach dieser Skizzirung des Judenthums könnte ich schliessen, indem ich glaube, dass alle von Ihnen gegen dasselbe vorgebrachten Aeusserungen nunmehr sättsam widerlegt sind, allein da Sie jedoch noch einige handgreifliche Irrthümer im Verfolg Ihrer Schrift zu Tage fördern, so kann ich mich nicht entbreeben, auch hierauf noch einzugehen. Sie sagen nämlich (S. 11), ״dass, die gottbegeisterten Manner, welche vor Christus aufgetreten waren und gegen die Ausartungen der Priester und die Sündhaftigkeit des Volkes ge- 8prochen hatten, deshalb keine Besserung erreichen konnten, weil sie die alten Glaubenssatzungen (das Gesetz) und die Ilierarchie bestehen liessen und nur Missbrauche abgeschafft wissen 29 Frankel. Monatsschrift. 5X 10.

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