Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 380 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Dr. Bernhard Beer. So heisst es auch (Tr.. Sabbat 31b): ״Wer das Gesetz (die Lehre) inne hat ohne Gottesfurcht (Liebe), der gleicht dem Ver- Walter eines Gebäudes, der zwar die Schlüssel zu dessen inneren Gemächern, nicht aber zu den äusseren besitzt, ־wie soll er da hinein gelangen?“ Es. heisst Ps. 111,1: ״Wohl dem Manne, der Gott ehrfürchtet und an seinen Geboten Gefallen findet,“ dies will sagen, an seinen Geboten, nicht aber an dem Lohne seiner Gebote. (Aboda Sara 19a.) Aus diesen und unzähligen ähnlichen Ausdrücken ersehen Sie, dass die späteren Lehrer und Fortbildner der Juden Lüge, Heuchelei, Knechtsdienst und Werkheiligkeit im höchsten Grade verpönten. Vor den falschen Pharisäern oder Heuchlern kann nicht schärfer gewarnt werden, als im Talmud an verschiedenen Stel« len, z. B. babyl. Talm. Sota 22b und Hieros. Berachot cap, 9. An erster er Stelle wird erzählt, dass König Jannai (Hyrkan) zu seiner Gemahlin geäussert habe: ״Fürchte dich weder vor den Pharisäern, noch vor den Nichtpharisäern, wohl aber vor den Heuchlern (wörtlich ״Gefärbten,“ d. h. deren Handlungen ander8 gefärbt sind, als ihr Inneres), welche den Pharisäern ähnlieh scheinen, deren Thaten denen des Sirnri (Num. 25) gleichen, die aber den Lohn des Pinchas verlangen.“ — In letztgedachter Stelle heisst es unter Anderem: ״Nur der ist vor Gott angenehm, der ihm aus Liebe dient, wie Abraham.“ So wenig nun aber ״der Glaube“ zu Gott in ״blos äussere Annahme des Gesetzes,“ und ״die Liebe“ in ״blinden Gehörsam des Gesetzes“ sich wandelte, ebensowenig ward die Ab- Schliessung Israels auch selbst in dieser nachmakkabäischen und römischen Periode, wo es Gründe genug zur Geltendmachung des Partieularismus gegeben hatte, etwa in eine primitive Verdammung und Verketzerung aller übrigen Völker ausgedehnt, wie dies später zum Dogma in der christlichen Kirche, in Betreff aller Nichtehristen, sich gestaltete. Das Princip und die Doctrinen des Judenthums bildeten sich vielmehr, wie aus den in der Mischna, im Talmud und in älteren midraschischen Schriften uns noch erhaltenen Geherresten jener Zeit deutlich hervorgeht, folgendermassen aus: Liebe und Erkenntnis8 Gottes und Beobachtung des Sitten-