Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 376 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Dr. Bernhard Beer. Sinne und bedurfte dessen nicht, da er das Sittlich-Böse als des Menschen eigene That, infolge seiner Leidenschaft und Begier de, das Unglück aber als durch die Sünde naturgeniäss herangezogen betrachtete. (Vgl. Win er, bibl. Realwörterb. s. y. Satan.) Diesem entsprechend und daher viel richtiger als in den paulini s chen Episteln, aus denen der Begriff des Satans oder Teufels als Verführers der Menschen in die Christliehe Dogmatik überging, wird vom Talmud die biblische Satansidee aufgefasst, indem derselbe den Satan für identisch mit dem inneren bösen Triebe des Menschen und somit auch indirect mit Todesengel erklärt. (Talm. Baba Batra 16a.) Sie fahren fort (S. 10): ״zur Darbringung der Opfer bedarf es der Mittelspersonen, und diese sind die Priester.66 Die Priester waren aber nicht Mittelspersonen in dem Sinne, dass sie zwischen Gott und dem Volke gestanden wären, um des letzteren Seligkeit bei Gott zu vermitteln; sie waren blos Tempelbeamte, zur Verrichtung eines Theils der Opferfimetionen (denn das eigentliche Schlachten der Opferthiere war sogar auch den Nichtpriestern gestattet), ohne persönliche,exceptionelle Bevorzugung. Doch hierüber später, jetzt muss ich erst Ihren folgenden Satz beleuchten, wo es heisst: ״Das ganze Leben des Juden war ein Bild seines Glaubens an den übernatürlichen, abgeschlossenen und ausscliliessenden Gott, und wie Gott sich abschloss von der Welt, so schloss sich auch das jüdis che Volk ab von allen übrigen Völkern, hielt sie für unrein, verdammte und verketzerte diejenigen, welche sich nicht streng an die Satzungen Mosis hielten.66 Welche Periode des jüdischen Lebens haben Sie hier im Auge? Die mosaische Zeit? Dass in dieser das jüdische Volk von den übrigen Völkern sich nicht in der Weise abschloss und ab sehlies sen sollte, dass es sie für unrein hielt oder — im kirchlichen Sinne —- verketzerte, liegt wohl zu Tage. Die Abschliessung war und sollte sein eine religios-sittliehe, weil, wie schon oben gesagt, die damaligen heidnischen Völker in solcher Rohheit und sittlicher Versunkenheit sich befanden, dass die geringste Gemeinschaft mit ihnen die grössten Gefahren für Aufrechthaltung der höheren göttlichen Wahrheiten, sittlichen Lehren und Einrichtungen gebracht hätte, welche eben dem jüdischen Volke ertheilt worden waren.