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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-10-01 · Heft 10 (Oktober 1862) · p. Seite 374

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 10 (Oktober 1862)
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-10-01
Page
Seite 374 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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374 Dr. Bernhard Beer. Willen Gottes richtet, Tugend und Sittlichkeit übt, und so durch Selb st Vervollkommnung . Gott möglichst in sich aufzunehmen strebt, desto unmittelbarer wirkt Gott auf ihn und in ihm, und bekundet sich in der Leitung auch seiner geringfügigsten Geschicke. (Vgl. Maimuni, More Nebuchim 3, 18.)-Auch nach dem sogenannten Sündenfalle, durch welchen, wie Sie mit den alten christlichen Dogmatikern annehmen, ״der Mensch der Herr״ schaft des Satans unterworfen worden sei," behält er jenes Prädicat, ״im Ebenbilde Gottes geschaffen zu sein" (Gen. 9, 6). Die Sünde konnte den Menschen individuell zwar von Gott entfernen, nicht aber ihm und am wenigsten dem ganzen Menschengeschlechte die Befähigung nehmen, sich Gott wieder zu nähern, wie Gen. 4, 7 ausdrücklich gesagt ist, ״dass der Mensch die Herrschaft über die Sünde habe." So ist ja auch Zweck des ganzen Pentateuchs, diese Nähe Gottes zu den Menschen, seine Leitung und Fürsorge aller ihrer Geschicke, in Erzählungen darzustellen und daraufhinzuweisen. Das, was Sie im Alten Testamente schmähen, die Häufung der sinnlichen Attribute Gottes, dass es z. B. heisst: ״Gott gedachte des Noah," ״Gott sah die Stadt und den Thurm" u. 8. w., soll gerade metonomisch die unmittelbare Einwirkung Gottes auf die Ereignisse der Welt aus drücken und bezeugt; dass man sich die Welt nicht als von ihm geschieden vorstellte. Wenn Gott den Frommeren mit vorzüglicher Huld zugethan ist und es z. B. bei Abraham heisst: ״und ich werde dir ein Schild sein," bei Isaak: ״ich werde mit dir sein und dich segnen," ähnlich hei Jakob; Moses u. 8. w., oder wenn überhaupt in den mos. Büchern die Führung des israelitischen Volks mehr hervorgehoben wird, (so z. B. Exod. 19, 4): ״ich habe euch auf Adlerfittigen getragen und zu mir gebracht," so ist dies nicht etwa ein willkürliches aristokratisches Privilegium, das hier ausgedrückt werden soll; sondern besagt blos, dass, je vollkommener und-gottähnlicher die Menschen in ihrem Wandel sind, destomehr sie sich Gottes Schutzes zu erfreuen haben, da sie ja eben durch diese Annaherung an Gott seine Unmittelbarkeit mehr bethätigen. Dennoch waltet Gottes specielle Vorsehung auch über die Nichtfrommen, sie sind nicht minder seiner allwaltenden Liehe untergeben, wie aus den Verheissungen über die Geschicke der.

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