Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-10-01 · Heft 10 (Oktober 1862) · p. Seite 373

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 10 (Oktober 1862)
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-10-01
Page
Seite 373 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829287-2859042--07170-2859090
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Dr. Bernhard Beer. 373 den. Hegel hat den wahren Gottbegriff als den eines ewigen Wesens, das ״nach freiem Willen schaffend sich offenbarte, das die Welt erfüllt, von der Welt verschieden, aber nicht geschieden ist" verkannt. (Vgl. Fleck, System der christlichen Dogmatik, I. Tlieil, 8. 170.) Konnten Sie nun in einer zur Volksbelehrung bestimmten Schrift, bei Darstellung der alttestamentliehen Religionslehre, auf die Hypothesen eines mehrfach bestrittenen, jedenfalls für das Volk nicht fasslichen philosophisehen Systems sich stützen, ohne Ihre Ansichten mit Beweisen aus den Urkunden jener Religion zu erhärten? Schlagen wir aber die Bücher des sogenannten ״alten Bun- . des" auf, so wird sich das Gegentheil der von Ihnen aufgestellten Behauptung heraussteilen. Machen wir uns vorerst klar, was das sagen will: ״Gott ist ein beschränktes, ausserweltliches Wesen, dem die Welt und der Mensch als etwas Fremdes, von ihm Abgefallenes gegenüberstehen."—Die Bande der Liebe zwischen Gott und Menschen wären nach dieser Auffassung zerrissen; denn wie könnte ich einem Wesen, das sich mir verbirgt, welches nur der Naturelemente sich bedient, um seine grosse Macht kund zu thun, von dem ich abgefallen und einem ihm entgegengesetzten Wesen mich unterworfen habe, mit inniger Liebe zugethan sein? — Würde ein solches von der Welt geschiedenes Wesen, dem der Mensch sich entfremdet hat, wohl dargestellt werden können, als die Schicksale des Menschen mit der unverkennbarsten Liebe und Gerechtigkeit leitend, und auch, um die scheinbar kleinsten Ereignisse sich kümmernd? — Nun ist aber die Fürsorge Gottes für das Wohl der Menschen, seine väterliche Liebe zu ihnen und wiederum die innigste Liebe des Menschen zu Gott der Grundtypus des ganzen Mos aismus und des ihn ausbauenden Judenthums[ — Der Mensch ist im Ehenbilde Gottes geschaffen. Diese gleichsam an die Eingangspforte der mosaischen Welt hingezeichnete Aufschrift besagt hinlänglich das Princip, nach welchem die Bibel das Verhältniss des Menschen zu Gott betrachtet. — Der Mensch ist Gott nicht fremd, nicht ihm gegenüber gesetzt, sondern sein Geist ist vielmehr selbst etwas Göttliches, stehet in unmittelbarer Verbindung mit Gott; jemehr der Mensch sich nun dessen bewusst wird, mit seinem Geiste die Nähe Gottes erfasst und seinen Willen nach dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.