Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 372 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Dr. Bernhard Beer. ״Diesem so vorgestellten (als äusserlich seinen Willen in den zehn Geboten kündgebenden) au sserw ältlichen Gott" -- fahren Sie nun fort -— ״steht somit die Welt und der Mensch als etwas Fremdes, nicht Göttliches gegenüber, als Etwas, was nicht ewig aus ihm, sondern in der Zeit von ihm geschaffen und von ihm abgefallen ist. Dieses Gott Entgegengesetzte Muss nothwendig unter der Gewalt eines Gott ebenfalls entgegengesetzten mächtigen Geistes stehen, unter der Herrschaft des Fürsten dieser Welt, des Satans, der Gott die Herrschaft über die Menschen streitig macht. Der Mensch, dem Geiste nach aus Gott gehaucht, ist Doppelwesen und gehört Gott, wenn er dem Gesetze des Geistes, dem Satan aber, wenn er dem Gesetze des Fleisches folgt. Er ist sündhafter Natur und muss für die Sünde, durch welche er Gott beleidigt, Opfer bringen." Ich frage Sie jetzt, inwiefern die von Ihnen hier ohne Weiteres hingestellte hegelianische Idee, dass der Gott des Judenthums gänzlich ausserhalb der Welt existire, daher der Mensch als etwas Gott Fremdes, von ihm Abgefallenes betrachtet werde, wirklich in den alten Urkunden des Judenthums begründefc.sei? Nach HegePs Theorie wird Gott oder ״das absolute Sein‘* erst durch den menschlichen Geist zur Wirklichkeit erhoben. Gott ist kein besonderes Wesen ausserhalb der Welt, sondern in einer fortwährenden Entwickelung begriffen; je vollkommener der Menschengeist, desto selbstbewusster tritt die Gottheit hervor, da Letztere ja nur in ihm (dem menschlichen Geiste) ihren Sitz hat. Es ist klar, dass eine solche Anschauungsweise von jeder positiven Heligion ab, zum Pantheismus und zur Selbst- Vergötterung leicht führen konnte, wie dies auch in der That geschehen ist. Um nun diesen Abweg zu vermeiden, erklärte Hegel, dass das Christenthum den Gottbegriff in derselben Hegeloschen Weise darstelle, indem der christliche Gott in der Weit und im Menschen sich offenbare, während das Heidenthum Gott als mit der Natur gleichb edeutend ansehe und das Judenthum Gott gänzlich ausserhalb der Welt und von ihr geschieden betrachte. Das Unhaltbare dieses, der Gegensätze willen aufgeführten Baues ist bereits von besonnenen Denkern, bei aller Anerkemnung der HegePschen philosophischen Methode, dargethan wor-