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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-10-01 · Heft 10 (Oktober 1862) · p. Seite 368

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 10 (Oktober 1862)
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-10-01
Page
Seite 368 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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368 Dr. Bernhard Beer. wird: deshalb kann ich mich nicht entbrechen, das, was Sie 311; Ihrer Schrift über alttestanientliche Vorstellungsweise und Judenthum anführen, einer Beleuchtung hiermit zu unterwerfen. Ich folge hierbei Ihren Aeusserungen schrittweise, obgleich dadurch manche Wiederholung nicht ganz vermieden werden kann,' Nachdem Sie die Verschiedenheit des Gottesbewusstseins bei den Menschen nach Verschiedenheit ihrer Culturstufe zu zeigen sich bemühen und (S. 8) zugeben, dass ״das erste Volk, das nur an einen und zwar geistigen Gott glaubte, das ״jiidisehe" gewesen sei, mit dessen Stammvater Abraham Gott einen Bund schloss und ihm Nachkommenschaft, d. h. geistige Anhänger, zahlreich wie der Sand am Meere, verheisst, und in dem alle Völker der Erde gesegnet sein sollen," fahren Sie fort, ״dass hei Ahraham und den anderen jüdischen Patriarchen Gott ganz ähnlich dem Menschen vorgestellt werde." ״Denn er spricht mit Abraham in Menschengestalt, lässt sich von ihm für die Sodomiter bitten u. 8. w., isst mit Abraham und hat alle Eigenschäften eines Menschen." Da ich mit einem Theologen spreche, sollte ich nicht glauben, mich erst weitläufig darüber verbreiten zu müssen, in welchem Sinne die Theophanien sowohl des Alten als Neuen Testamente8 aufzufassen sind, welchen Einfluss die orientalische Bildersprache auf ihre Einkleidung hatte, und wie der kindliche Mensch jener Zeit mit den Worten ״Gott sprach, Gott sah, Gott liess sich erbitten u. 8. w." keinen anderen Begriff verband als wir, wenn wir irgend eine grossartige Handlung der göttlichen Eingebung zuschreiben, oder in einem Ereignisse die Vorsehung Gottes besonders waltend erblicken. — Es ist ganz gleichgültig, ob bei Beurtheilung biblischer Erzählungen der historische oder mythische Standpunkt eingenommen wird, denn es kommt nicht darauf an, wie die Dinge sich wirklich ereignet haben, sondern wie der Erzähler sie dargestellt hat. Man muss sich daher selbst bei mythischer Auffassung in den Geist jener Zeit und in den Sinn der Ursprache hin ein versetzen, und sich wohl hüten, durch plumpe, materielle Auffassung von Ausdrücken, die mit unseren Begriffen nicht harmoniren, den wahren Sinn der alten Darstellung zu verwischen und so den zauberischen Schmuck jener zarten morgenlän dis eben Pflanzen zu entblättern. Sie sagen nun aber, dass ״hei den Patriarchen Gott ganz

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