Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1862)
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-10-01
- Page
- Seite 367 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bernhard Beer. 367 Segensformel ausgesprochen habe: . ״Gelobt sei der ALlgütige, der Gutes erzeigt.“ Umsomehr war man daher in unseren Tagen, wo die Fackel der Philosophie und Kritik schon das gegenseitige Terrain hell beleuchtet hatte, zu verlangen berechtigt, dass eine von Ihrer Kirche ausgehende Bewegung,-welche die den denkenden Gei- Stern längst inwohnende reinere Gottesidee zum Gemeingut des Volks zu machen erstrebt, ihren Stimmführern Veranlassung geben werde, ״auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid, auf die Brunnenhöhle, aus der ihr gegraben,“ des. 51, 1, auf das Jadenthüm zurückzuschauen, es mit der Gründlichkeit und Unpartheilichkeit zu erforschen und zu würdigen, wie es geziemt ״Männern der Wissenschaft“ und Männern, die sich zur Aufgabe gestellt haben wollen, ״kein ausschliessliches und ausschliessendes Kirchenthum“ zu begründen, sondern ״die Menschen und die Menschheit durch Anerkennung der richtigen Gottesidee zu befreien.“ — Ihre unlängst erschienene Schrift; ״Das Wesen der freien christlichen Kirche“ (Hamburg, Hoffmann und Campe, 1847) hat uns aber hierüber gewaltig enttäuscht. Die ersten 16—17 Seiten Ihrer Broschüre enthalten eine Masse so unklarer, falscher, ja v 6 rlä um de rischer Urtheile uber Mosaismus und Judenthum, dass man fast versucht wird zu glauben, Sie haben nicht aus der Urquelle geschöpft, sondern Ihre Argumente blos aus einseitigen und gehässigen Compilationen der entgegengesetztesten Parteien oberflächlich zusammengelesen. Wäre Ihre Schrift in dem Tone gehalten, als stelle sie blos eine individuelle kritische Auffassung der biblischen Urkunden dar, so würde man dagegen schweigen und sie füglich den zahlreichen falschen oder halbwahren Urtheilen haben beizählen können, welche von Apion bis auf den heutigen Tag über das Judenthum laut wurden; .allein, indem Sie letzteres immer dem Christemthume, nach Ihrer Auffassung, entgegensetzen und auf diesen Gegensatz den Bau Ihrer neuen Kirche gründen wollen, sprechen Sie so apodiktisch über das Judenthum ab, dass diejenigen, die etwa Ihrer Autorität folgen und den Gegenstand nicht naher kennen, versucht werden möchten, Ihre Worte für eine ausgemachte Sache zu halten und die jüdische Religion in dem falschen Lichte zu erblicken, wie sie von Ihnen dargestellt 28*