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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-10-01 · Heft 10 (Oktober 1862) · p. Seite 366

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 10 (Oktober 1862)
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-10-01
Page
Seite 366 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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366 Dr. Bernhard Beer. Seitdem das Christenthum vom Judenthume sich getrennt .־and,•־unter allmäliger Aufgebung des reinen einfachen alttestamentlichen Gottbegriifs, in fester dogmatischer Umwölbung vor inneren und 'ausseren Feinden Schutz und Schirm gesucht hatte, war es kaum möglich, von den Anhängern der adoptirten Christ-' liehen Kirchenlehren eine unbefangene, von einseitig-dogmatischer Färbung ungetrübte Anerkennung jener religiösen Grund- Wahrheiten zu erwarten, welche die uralten heiligen Schriften des Judenthums einprägen und lehren, und woran seine Bekenner, trotz Druck und Scheiterhaufen, trotz Verachtung und Ausstossung, mit dem innersten Lebensnerv Jahrtausende festhalten. Hass und Volksvorurtheile gegen die Juden konnten so lange nicht völlig beseitigt werden, als die Lehrer des Volks, die Bildner der christlichen Theologie, in dogmatische Labyrinthe verstrickt, von der Basis ihrer eigenen Religion sich so weit entfernt hatten, dass sie deren Grundlage — das Judenthum — theils misskannten, theils missachteten, und auf diese Weise den Wahn und die Leidenschaften der unwissenden Menge nährten und bestärkten. — Jeder Sonnenstrahl, der in das Gebiet der christlichen Religionsanschauung fiel, der die Nebel weghauchte, die schon die Wiege des Christenthums umhüllten und dasselbe allmälig mit noch tieferer Dunkelheit umgeben hatten, musste daher den; Jaden als freudiges Zeichen gelten, dass der Sieg der Wahrheit nicht mehr fern sei und dann mit dem Lichte auch das Recht seinen Sitz auf Erden aufschlagen werde. — Als daher Johannes Huss im 15. Jahrhunderte auftrat und reinere Lehren predigte, blieben auch die Bekenner des Judenthums nicht theilnahmlos, und ein berühmter jüdischer Gelehrter damaliger Zeit, Abigdor Kara, soll dem König Wenzel von Böhmen günstigere Gesinnungen für die Lehre Hussens beizuhringen versucht haben, welche (wie ein altes jüdisches Manuscript aus jener Zeit sich ausdrückt) die wahre Einheit (Gottes) enthalte0). Nicht minder wird von einem frommen jüdischen Rabbi des 16. Jahrhunderts, Isaak Loria, welcher in Palästina lebte, erzählt, dass, als ihm von dem Fortgange der reformatorischen. Bestrebungen in der Christenheit Kunde geworden war, er die *) S. Halichot Kedem oder Oosterclie Wandelingen, Amst. 1846.. 8.

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